»Wo wird es auch schlimm sein!« brummte der Trinker.
Aber der Arzt war anderer Meinung. »Nicht daran zu denken!« sagte er sehr ernst, als ihm Frau Zarnosky Johns Entschluß mitteilte. Sie starrte ihn an, als rede er dummes Zeug, denn sie hatte sich bereits den schönsten Hoffnungen hingegeben und schon dieses und jenes für die Reise vorbereitet. »Bei seinem Zustand? Nicht daran zu denken!« wiederholte der Arzt.
Frau Zarnosky verlor gleich alle Selbstbeherrschung. »Muß er denn sterben, Herr Doktor?« weinte sie laut heraus, obgleich sie sich hätte denken können, daß John an der Tür lauschte.
»Nur ein Wunder könnte ihn retten,« sagte leise der Arzt.
In den Ohren des Lauschenden erhob sich ein Brausen, das alle Geräusche um ihn verschlang. Er vernahm nicht mehr, was der Arzt und die Mutter noch weiter sprachen, einem Betrunkenen gleich taumelte er hinaus auf den Hof und begab sich in seine Wohnung. Dort warf er sich auf das Sofa, drehte sich nach der Wand und blieb so regungslos bis zum Abend. Kein Bitten, kein Klagen, kein Trost und keine Vorwürfe vermochten ihm ein Wort zu entlocken. Der Wasserfall, der in seinen Ohren zu brausen schien, ließ keinen Laut zu ihm dringen, und die Verzweiflung, die ihn gepackt hatte, lähmte seinen Körper und seinen Willen. Schließlich ließ man Peter zu ihm herein, der kläglich meckerte, weil man ihn tagüber zu füttern vergessen. Mit einem kecken Satz sprang das Tier auf den Tisch, mitten unter die Teller, einen zertretend, einen herunterwerfend, und machte sich an Johns Abendbrot. Da wandte sein Herr zum erstenmal den Kopf um. »Peter,« flüsterte er, »haben sie dir nichts zu essen gegeben?«
»Mämämämä ...« erwiderte klagend der Bock.
Sie werden ihn hungern lassen und werden ihn schlagen und fortgeben, wenn ich erst tot bin, dachte John entsetzt, und seine Willenskraft kehrte langsam zurück, und das Brausen in seinen Ohren schien schwächer zu werden. In seinem Kopfe reifte hastig ein Entschluß – der ihm ganz seltsam erschien, wie er das lebensvolle Tier so vor sich auf dem Tisch sah.
Peter sollte getötet werden, ehe sein Herr starb. John wollte eigenhändig diesem kräftigen jungen Leben ein Ende machen.
Sein Vorhaben entsetzte ihn beim Anblick des gierig fressenden Tieres. Wer gab uns die Erlaubnis, fragte er sich, mit dem Leben dieser Geschöpfe zu verfahren, wie es uns beliebt? Was ist der Mensch für eine Bestie! Aber Peter mußte sterben, wenn sein Herr einen ruhigen Tod haben sollte. Das Todesurteil war unwiderruflich gefällt. Zum Wohl des einen wie des andern.
»Junge,« flüsterte John, »sieh mich mal an!«