Der Bock hob den Kopf und sah seinem Herrn dumm und lieb ins Gesicht.

»Wenn du wüßtest, was über dich beschlossen ist!« dachte John.

Der Bock war mit dem Abendbrot fertig und sprang zu seinem Herrn aufs Sofa. Dore wagte heute nicht zu schelten. »Wollen Se nich auch was essen? Soll ich nich noch was holen?« fragte sie.

John sah sie an und wies stumm nach der Tür. Da ging sie leise hinaus.

Es wurde ganz still im Zimmer; Peter schlief ein, und sein Herr blickte regungslos durch das Fenster. Der Himmel war abendblau und doch noch hell. Die Sichel des Neumonds schwebte gleich einem silbernen Schmuckstück mit erikafarbenem Schimmer über dem Hof, auf dem ein paar Arbeitspferde des Ausspannens harrten, große, braune Pferde mit schönen, glasklaren Augen. Eine Menge Schwalben kreiste mit langen, süßen Schreien in der Luft; manchmal so tief, daß sie fast die hohen Köpfe der Pferde streiften. Aber die Pferde verharrten in majestätischer Ruhe, die großen klaren Augen friedlich geradeaus gerichtet. Das mußt du alles verlassen, dachte John, vielleicht, wenn der Mond rund geworden – ist das Trauerspiel schon aus. Er schauderte.

Gab es einen Gott und ein ewiges Leben? Unnütze Frage! Die Toten konnten keine Antwort geben und die Lebendigen nur darüber fabeln. Beides: Gott und ewiges Leben, das waren doch wohl nur Märchen – die schönsten Märchen, die die Menschheit sich erfunden. Zum Trost erfunden.

Märchen zum Trost! War das nicht zum Lachen und zum Weinen?! Und da wurden hohe Häuser gebaut und Lieder gesungen, um dieser Märchen willen, für diesen eingebildeten König, der nur schweigen konnte.

»Wenn du existierst, dann rufe!« flüsterte John, auf das Sofa schlagend. »Ich will's hören. Ich hab's nötig.«

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