John begriff nicht ganz, was um ihn vorging; aber das Festgehaltenwerden unter Rufen nach dem Schutzmann flößte ihm ein solches Entsetzen ein, daß er sich wie ein Rasender losriß und davonstürzte.
Mit dem schrecklichen Gedanken, er müsse sich jetzt etwas Entsetzlichem wegen das Leben nehmen, rannte er die Straße herunter. Sie war nicht lang und lag am Ende der Stadt. Bald stand der arme Dieb am Rande des tiefen Teiches, zu dem er ganz instinktiv geeilt war. Jenseits des Wassers war ein dunkles Wäldchen, in dem sehr laut die Nachtigallen sangen. Auch über dem Kopf des Verzweifelten flöteten die Vögel in den Zweigen der Kastanien, mit denen der Weg zu beiden Seiten besetzt war. Hinter seinem Rücken flammte die Abendsonne in ihrer ganzen Glorie. Sie thronte gleich einer mächtigen Feuerkugel dicht über dem langen, flachen Dach eines alten, hölzernen Getreideschuppens, der wie ein riesengroßer schwarzer Sarg auf grünem Wiesenlande stand, unter einem rostgelben Himmel. Doch John sah in das glitzernde Wasser und beriet sich flüsternd mit seinem Schicksal.
»Muß ich? Muß ich?« fragte er, voller Angst an seine Eltern denkend.
»Aber sofort!« schien der Tischler zu rufen.
John sah sich furchtsam um; aber es war niemand außer ihm auf dem Wege. Er setzte sich auf die Erde, weil er vor Müdigkeit nicht länger zu stehen vermochte, und sein Denken wurde allmählich klarer.
»Was hab' ich denn getan?« stammelte er wie ein Kind. »Ich hab' doch nichts getan. Ich hatte sie auf einmal in der Hand, ich weiß nicht wie. Ich hätte sie doch bezahlt.«
Der Tischler hatte ihm das eingebrockt – dieser gehässige, heimtückische Kerl. John wußte: der Tischler ging jetzt von Haus zu Haus und erzählte.
Es bohrte ein Wort in seinem Kopf, dessen Klang und Bedeutung er auf dem ganzen Weg gesucht hatte. Nun war es da; es hieß: Schande.
»Schande,« flüsterte er, »Schande,« wiederholte er laut, und schon wurde es ihm zur Gewißheit, daß das etwas war, was ihm nicht mehr viel anhaben konnte. Seine Rolle auf Erden ging zu Ende. Was tat ihm noch Schande?
Aber seine Familie, seine Familie und die Leute – – –?