Herr Zarnosky saß mit der Reitpeitsche in der Hand. Sein sonst so frisches, großzügiges Gesicht war blaß, und seine Zähne bearbeiteten unablässig die starken Lippen. Als die Tür geöffnet wurde, stand er auf.
»So betrunken?« fragte er den Kutscher.
»Krank,« sagte Rodenberg rauh, indem er seinen jungen Herrn mit liebevoller Ungeschicklichkeit aufs Bett trug.
Herr Zarnosky setzte sich wieder aufs Sofa und räusperte sich erregt. Frau Kalnis kam in diesem Augenblick nach Hause, wie eine erschreckte Fledermaus ins Zimmer schwirrend, und schlug stumm die Hände zusammen.
»Herr Zarnosky trautstes, was is los? Was is jeschähn? Ich will man bloß rasch d'e Umnahme abnähmen ...« sie huschte in ihr Zimmer. »Herrjeh, herrjeh, mein Palmbaum! Und d's Kissen! Jerechster Vater, was is hier jeschähn? Nu hatte er sich doch schon einije Tage so scheen jehalten.«
Herr Zarnosky räusperte sich schweigend weiter. Rodenberg schlich still hinaus, weil er meinte, daß John in Dores Gegenwart keine Prügel bekommen werde. Frau Kalnis kam mit einer Decke angeflogen, die sie mit zitternden Händen über den unbedeckten Tisch warf. Dann ging sie zu John. »Wasser,« murmelte er leise.
Herr Zarnosky trat mit der Reitpeitsche ans Bett. »Besinne dich,« sagte er heiser, »was hast du heute abend getan?«
»Nichts,« stammelte John angstvoll, »nichts.«
»Da geht doch dieser Lümmel hin und stiehlt!« stieß der Vater erbittert hervor, und die Reitpeitsche sauste nieder.
Ehe sich's der Alte versah, war der Junge plötzlich aufgesprungen und hatte ihn an der Kehle gepackt. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn Rodenberg – durch Dore und den Lärm herbeigerufen – sich nicht des Wütenden bemächtigt hätte. Er schaffte ihn wieder ins Bett und beruhigte ihn, so gut er konnte. Herr Zarnosky rang keuchend nach Atem. So träge und ruhig er für gewöhnlich war, so wild und zügellos konnte er im Zorn werden.