»Ich hab' ja zugesehen, wie er in der Nacht durch die Grätengasse nach dem Wasser ging,« stammelte John, den die Neuigkeit förmlich elektrisierte. »Er war mächtig im Tran. Und alle Augenblicke ist er stehen geblieben und hat nach unserm Hause gedroht.«

»Die Wichse, die uns der Schuft damals beide einjetragen hat, was?« fragte Rodenberg mit zwinkernden Augen.

John lachte bereitwillig mit. Wie ein Rausch war aufs neue die Hoffnung über ihn gekommen, er könne – wenn so viel Unerwartetes geschehen konnte – auch noch gesund werden.

Aber als er wieder auf der Veranda saß, da wußte er plötzlich nicht mehr, ob das, was er soeben gehört zu haben glaubte, Traum oder Wirklichkeit gewesen war, und ihm wurde ganz sonderbar und schwindlig. Die Wirklichkeit schien sich langsam von ihm zu entfernen, alle Geräusche wurden leiser, alle Farben matter, und er wurde immer schläfriger, je weiter alles von ihm fortwich. Mit einem angstvollen Lachen griff er nach Peter, der wie ein treuer Hund an seiner Seite stand.

Alles geht von dir, dachte John, aber der verläßt dich nicht.

Wie warm Peter war. Und wie voll von klopfendem Leben. Und das wollte er töten?!

Das Tier sah seinem Herrn vertrauensvoll ins Gesicht. John wandte den Blick zur Seite und reichte ihm allen Zucker, den er bei sich hatte. Dann stand er auf. »Wir müssen frisches Öl auf die Lampe gießen,« murmelte er, »sonst geht sie aus.« Er schob Peter auf den Hof und begab sich hinein zu der großen Flasche, aus der er tagtäglich Beruhigung und Kräfte bezog.

Seit jenem häßlichen Abend im Gewürzladen erinnerte John diese Flasche immer wieder an den Ölkrug der biblischen Witwe, denn sie wurde wie einst dieser niemals leer. John konnte aus der Flasche trinken, soviel er wollte; unsichtbare Hände füllten sie immer aufs neue voll. Aber der Kognak schmeckte ihm nur noch selten wie früher, und er vertrug auch nicht mehr viel. Er trank jetzt weniger zum Vergnügen, er trank, um existieren zu können, um nicht vor Schwäche, Unruhe und Schmerzen zu vergehen.

Im Saal war es angenehm kühl nach der Hitze draußen. Frau Kalnis saß strickend und hustend an einem der Fenster und sagte kein Wort, als John ein Wasserglas bis zur Hälfte mit Kognak füllte, das er dann, in seinen Sessel gelehnt, langsam leerte. Sein Gedächtnis kehrte zurück. »Wissen Sie das Neuste?« fragte er Dore.

»Daß der Tischler ins Wasser jefallen is? Ja, das weiß ich.«