»So schwarz wie Onkel Chlodwigs Sofa,« setzte Johannes hinzu.
»Ja,« sagte John, »und dahinter steht vielleicht noch glänzend die Sonne. Zu denken!«
Der Idiot knackte verlegen mit seinen mageren Fingern. »Hab Angst, hab Angst,« stammelte er.
John blickte starr vor sich hin. »Erst alles schwarz,« murmelte er, »alles trüb und dunkel. Aber dahinter kommt vielleicht die Sonne – die nie mehr untergeht.« Plötzlich fuhr er heftig in die Höhe. »Hörst du, wie es bröckelt?« flüsterte er erregt. »Sie machen mich entzwei, ohne daß sie mich anrühren, ohne die Hände zu bewegen.«
»Wer? Wer?«
»Dort!« John zeigte nach der Tür, die in das Zimmer seiner Brüder führte, und dann nach der Tür zum Eßzimmer. »Dort und überall!« stöhnte er.
Und nach einer Pause: »Sie wünschen mir den Tod, damit ich sie nicht länger geniere. Sie füllen mir immer wieder die Flasche voll, damit ich mich nur rasch totsaufe. Aber ich nehm' welche mit, ich geh' nicht allein. – Hier ...,« er zog mit zitternden Händen unter dem Laken ein Päckchen hervor und zeigte es Johannes. »Schlafpulver, die ich nicht genommen habe, die ich für andre aufsparte. Ja ...« und er lachte wie ein Blöder, und der Schwachsinnige lachte mit.
Die ins Entree führende Saaltür wurde ungeschickt aufgerissen, und Markus, Johannes' Bruder, stürmte aufgeregt herein. »Tante Anna, Tante Anna, ein Küßchen, bloß ein Küßchen!« rief er mit schmelzender Stimme, indem er sich verschämt das eine Auge mit der Hand verdeckte.
»Idiot!« knurrte Johannes, der sich gegen Markus die Klugheit selbst dünkte und diesen immerfort schalt und berief, wenn ein Dritter zugegen war, aus Furcht, man könne ihn sonst für ebenso einfältig halten wie seinen Bruder. »Scher dich raus!« herrschte er ihn an.
Der baumlange Markus prallte einen Schritt zurück; denn obgleich er eine ungeheure Kraft besaß, hatte er doch ziemlich viel Respekt vor seinem älteren und klügeren Bruder. »Johnche erlaubst, Tante Anna, Tante Anna sprechen?« fragte er bescheiden, den unförmigen Kopf auf eine Seite gelegt.