»Nun geh!« flüsterte John. »Ich bin müde, ich will schlafen. Das Gewitter kommt noch nicht so rasch.«
»Und du wirst? Wirst ...?«
»Ja, ja ...«
Als der Schwachsinnige gegangen war, schloß John die Augen und weinte.
Auch der wollte nicht sterben. Selbst so ein hilfloser, von allen verspotteter, armer Idiot hing am Leben – – es war so schön im Sommer ...
Und seiner Familie wünschte er den Tod. Und Peter wollte er erschießen. Nein! Nein! Mochte Onkel John Peter nehmen. Mochte alles leben, was da leben durfte. Es war so schön im Sommer ...
Dreizehntes Kapitel
Der Vater kam und saß an seinem Bett, Onkel John kam, Onkel Chlodwig, auch Eugen saß oft bei ihm. Die Mutter war vom Morgen bis zum Abend um ihn, und der Arzt erschien jeden Tag. Paul und Leo betraten den Saal nur selten. Auf ihre Fragen nach seinem Befinden erhielten sie auch nur selten eine Antwort von John, und doch war er auf ihre Besuche am stolzesten. Meistens lag er ganz ruhig da, und die Fliegen umsummten seinen Mund.
Einmal, während niemand bei ihm war, ergriff ihn entsetzliche Todesangst. Sich wild aufrichtend, umklammerte er krampfhaft den Bettstollen und rief: »Ich geh' nicht fort, eh' ich nicht weiß, wohin es geht!« Frau Zarnosky hörte es bis auf der Veranda; aber sie vermochte sich vor Schreck und Entsetzen nicht von der Stelle zu rühren. Sie schickte Onkel Chlodwig zu ihm, und dann schickte sie zum Pfarrer, damit er John von Gott und dem ewigen Leben spräche.
Die Nachmittagssonne strömte ihren Glanz durch die purpurnen Fenstervorhänge, als der Geistliche, hoch und würdevoll, in den Saal trat. Er war der Sohn eines Bauern und trat auch in Krankenstuben nicht leise auf. Als er durch den stärksten der roten Lichtströme ging, flammte sein rötlichbrauner Vollbart wie Zunder auf, und sein starkknochiges, fanatisches Gesicht schien in diesem feurigen Rahmen zu übermenschlichen Dimensionen anzuschwellen. Er war großartig anzusehen, wie er so durch den Glanz schritt mit der Zuversicht seines Dünkels und seines Glaubens. Er fixierte John so lange, bis dieser verlegen die Augen niederschlug. »Wie geht's, mein lieber Konfirmand?« fragte er liebevoll und pathetisch, während sein Bart erlosch und sein Gesicht zusammenschrumpfte.