Elfriede Karlsen lag, wie einst während langer Jahre, auf dem Ruhebette und ließ sich mit dem Lächeln eines dankbaren Kindes von ihrer Mutter verwöhnen. Noch ahnte sie die neueste Fürsorge der Kommerzienrätin nicht. Mit wenigen hastigen Worten wurde sie ihr jetzt als eine Notwendigkeit hingestellt.

„Aber, Mama,“ sagte sie flehend, „das ist grausam von dir –“

„Du solltest froh sein, daß ich auf diesen erlösenden Gedanken gekommen bin, Elfriedchen. Die vielen einsamen Stunden taugen nicht für dich. Du grübelst zu viel.“

„Ich warte auf meinen Mann und das ist wunderschön,“ sagte sie. Es lag alle Treue und Zärtlichkeit darin.

„Diese Stunde ist nicht geeignet, um darüber zu streiten, Kind. Schnell nur eins: Ihr betont beide bei jeder Gelegenheit, daß ein Künstler frei sein muß und du willst ihn doch nicht von der Kette lassen?“

Das blasse Gesicht rötete sich trotz der weißen Puderschicht, die Frau Eßling ihrer Tochter niemals zugetraut.

„Soll das heißen, daß ich ihn ungebührlich in Anspruch nehme, ihn in seiner Entwicklung hemme? – Das aber kann unmöglich deine wahre Ansicht sein, Mama. Noch vor wenigen Tagen hast du mir den ernsthaften Vorwurf einer viel zu großen Anspruchslosigkeit gegen Paul gemacht!“

„Darin liegt kein Widerspruch, mein Kind! Natürlich und verständlich, wenn eine junge, verliebte Frau die Minuten zählt, bis ihr der Gatte endlich wiedergeschenkt ist. Aber auch ebenso begreiflich, wenn bei einer Veranlagung wie dein Mann sie nun doch einmal hat, ihn jeder leiseste Zwang behindert und vielleicht sogar verstimmt und hemmt.“

„Hat er sich etwa dir gegenüber beklagt, Mama?“