Die Kommerzienrätin lachte bitter auf.
„Wo denkst du hin, Elfriedchen. Ein so großer Künstler nimmt sich nicht die Mühe, eine gewöhnliche Sterbliche, wie mich, in seine Empfindungen einzuweihen. Aber erinnere dich nur. Ist er nicht häufig genug ungehalten gewesen, wenn du etwa eine Stunde oder noch länger wie ein geduldiges Lämmchen mit dem Essen auf ihn gewartet hast?“
„Mama, nimm den alten Franz wieder zu dir,“ bat die junge Frau gequält. Sie wußte sofort, aus welcher Quelle ihre Mutter die Kenntnis jedes auch des kleinsten und unwichtigsten Geschehnisses aus ihrem Leben schöpfte.
„Du hast mich schon mehrmals darum gebeten, Elfriede. Und heute, wie früher sage ich dir, daß er bleiben wird und muß.“
Elfriede Karlsen seufzte tief auf.
„Was also soll diese Gesellschafterin mir helfen?“
Frau Eßling fühlte, daß der anfängliche Widerstand zu wanken begann. Etwas wie Neugier klang aus der Frage.
„Unendlich viel, Elfchen! Natürlich muß sie klug und gebildet, frisch und einwandfrei sein. Ihr werdet Euch schnell anfreunden. Du hast niemals eine Freundin besessen. Dann sind die Stunden des Wartens plötzlich ausgefüllt. Vielleicht erscheinen sie dir im Laufe der Zeit sogar, wenn Ihr zusammen ein nettes Buch lest – Spaziergänge macht, Einkäufe erledigt und Bilder anseht, zu kurz. Jedenfalls, ein vorwurfsvolles Gesicht oder gar, was mir bei weitem gefährlicher erscheint, ein abgespanntes, enttäuschtes und nicht gerade glänzend aussehendes Frauchen wird Karlsen nicht vorfinden, auch wenn er sich selbst erheblich verspäten sollte. Was meinst du, muß die Folge hiervon sein? So viel habe ich gelernt, um zu wissen, daß Karlsen launenhaft ist. Das Geringste kann ihn verstimmen; eine Kleinigkeit kann ihn aber zu einem hinreißenden Gesellschafter machen.“
„Ich habe keine Ahnung gehabt, daß du ihn so genau kennst,“ sagte Elfriede.
„Höre nur weiter, Friedchen! – Indem du nicht länger mit dieser deutlich zur Schau getragenen Sehnsucht nach ihm schmachtest – nicht mehr die Hände ringst, wenn eine seiner Leibspeisen ungenießbar geworden ist, dir die Augen auch nicht mehr rot und trübe weinst, wirst du dir deinen Mann zu einer Dankbarkeit verpflichten, die dich ihm wichtiger und damit unentbehrlicher machen muß, als dies leider bisher der Fall gewesen ist.“