Die junge Frau hatte sich aufgerichtet und sah unsicher zu ihrer Mutter hinüber.

„Wenn du wirklich Recht hättest, Mama! Aber ich kann nicht daran glauben. Beständig eine Dritte am Tische zu haben denke ich mir qualvoll. Vergißt du, daß sie mir von der kurzen Zeit des Beisammenseins das Beste wegnimmt?“

„Kind, du bist die Frau eines Künstlers. Du mußt sorgen, daß du sie auch bleibst!“

Elfriede Karlsen war sehr bleich geworden.

„Du glaubst doch nicht, daß mich Paul nicht mehr liebt?“

„Wenn ich das auch nur fürchtete, würde ich anders mit meinem Herrn Schwiegersohne umspringen. Nein, davon ist bis jetzt keine Rede. Aber ich will verhüten, daß es jemals zu einer merklichen Abkühlung käme. Glaube mir, Friedchen, mein Rat ist klug und wohlerwogen. Dies Mittel, das ich ihm ebenso wie dir verordne, wird dich voll glücklich machen. Nicht wahr, das wäre doch schön, mein Kind? Jetzt geh einen Augenblick ins Nebenzimmer. Zuerst will ich alles Unwesentliche mit der Bewerberin besprechen. Scheint sie mir die Rechte für dich zu sein, so rufe ich dich.“

Eva von Ostried ließ die prüfenden Blicke und die gründlichen Fragen der Kommerzienrätin in vollendet guter Haltung über sich ergehen. Sie zeigte keine Empfindlichkeit, weil sie draußen ungewöhnlich lange zu warten gehabt hatte. Mit ruhiger Selbstverständlichkeit nahm sie in einem ihr von Frau Eßling gebotenen Sessel Platz und beantwortete kurz und klar deren Fragen.

„Die Zeugnisse, die Sie vorweisen können, sind nicht eben glänzend, Fräulein von Ostried.“

„Eher das Gegenteil, gnädige Frau! Kaum siebzehnjährig nahm ich die erste Stelle an und besaß doch keinerlei Vorkenntnisse, nur den guten Willen, meine Pflicht zu erfüllen.“

„Wollen Sie mir nun etwas über Ihre Jugend – die Jahre vorher, meine ich und vor allem von der Notwendigkeit, die Sie auf den Erwerbsweg zwang, erzählen?“ fragte die Kommerzienrätin.