Die Kommerzienrätin betrachtete das junge Gesicht lange. Dann reichte sie Eva von Ostried die Rechte hin.

„Also gut. – Die Treue für meine Tochter soll mir genügen. – Vergessen Sie das andere. – Noch ein Wort über Ihr Gehalt. Ich beabsichtigte Ihnen hundert Mark monatlich anweisen zu lassen. Sind Sie damit zufrieden?“

„Fünfzig Mark weniger, wie das Gnadengeld der alten Pauline beträgt,“ dachte Eva bitter, obschon ihr diese Summe genügte.

„Es wird reichen, gnädige Frau,“ sagte sie eintönig.

„So, damit wäre alles besprochen. Jetzt werde ich meine Tochter benachrichtigen. Einen Augenblick, bitte.“ – –

„Ich fürchte nur, das Sie sich neben mir langweilen werden,“ sagte die junge Frau.

Eva lächelte.

„Wir wollen versuchen, uns jeden Tag mit einer besonderen Freude zu erheitern, gnädige Frau.“

Die Kommerzienrätin fand den Ton, in dem ihre Tochter zu der neuen Gesellschafterin sprach, für den Anfang viel zu warm. Gewiß hatte auch sie vorhin ein schwesterliches Verhältnis als sehr wahrscheinlich erwähnt. Immerhin mußte dies doch erst verdient werden. Sie riß deshalb das Gespräch wieder an sich.