„Ist Ihnen der Montag nächster Woche als Tag des Eintritts recht, Fräulein von Ostried? Sie sind doch durch nichts gebunden, nicht wahr? – Oder wollten Sie noch etwas im Hause der Verstorbenen ordnen?“

„Ich könnte bereits morgen kommen, gnädige Frau! Das alte treue Mädchen, das der Präsidentin lange Jahre diente, besorgt alles Nötige allein. Aber Sie haben mir noch gar nicht Namen und Wohnung Ihrer Frau Tochter genannt.“

Die junge Frau antwortete an Stelle ihrer Mutter. Es gewährte ihr immer aufs Neue eine stolze Freude, sich als Frau des jungen Künstlers zu bekennen.

„Unser Häuschen liegt sehr nahe hier; Karlsbaderstraße 10. Wir haben es wundervoll. Nur ein wenig dunkel und kühl. Auf dem Schilde am Gittertore steht Paul Karlsen. – Das ist mein Mann.“

Eva von Ostried blinzelte, als werde sie aus dem Dunkel in einen grellerleuchteten Raum gestoßen.

Sie sollte also zu Paul Karlsens Frau? In sein Haus? Und achtgeben, daß er die – eheliche Treue halte?

Das Frauenbild auf grüner Wiese im roten Mohn hatte bereits den Mann zu ihren Füßen gesehen. Den Mann, als dessen Braut sie sich betrachtet hatte.

„Was ist Ihnen,“ fragte die junge Frau ängstlich und sah hilflos zu ihrer Mutter hin. Hatte Eva von Ostried wirklich aufgestöhnt, als werde sie von heftigen Schmerzen gepeinigt?

Es mußte ein Irrtum gewesen sein! Jetzt stand sie mit dem Ausdruck eines Lächelns da. Nur auffallend gerade und steif hielt sie sich.