„Es gibt soeben noch etwas Wichtigeres für Sie zu tun, Pauline,“ sagte der Justizrat eilig. „Sehen Sie mal her. Auf diesem Zettelchen, den ich in einem Notizbuch aus dem Jahre 1917 fand, spricht unsere Frau Präsident von allerhand wichtigen Aufzeichnungen, die sich in einer kleinen, schwarzen Kiste, um deren Verbleib die gute Pauline wisse, finden lassen sollen. Haben Sie eine Ahnung, wo sich besagte Kiste zur Zeit befindet?“

„Eine kleine schwarze Kiste? – Jawohl! Die habe ich selbst auf der Bodenkammer in eine größere gestellt.“

„Wir müssen sie eiligst herunterschaffen.“

„Wozu denn, Herr Justizrat?“

„Denken Sie ein wenig nach. Sie wissen nun ja auch darin Bescheid. Uns fehlt doch etwas, nicht wahr?“

In das alte Gesicht kam ein Zug von Spannung.

„Sie hoffen gerade so wie ich, daß sich was für das Fräulein finden lassen muß. Ach – Herr Justizrat, sie ist wie außer sich. Zum Erbarmen sieht sie aus. Die halbe Nacht habe ich gesucht. Da ist kein Eckchen, das verschont wär’. Ich hatte bestimmt im Gefühl, daß ich es finden müsse, glauben Sie mir. Sogar das Bett unserer Frau Präsident hab’ ich aufgetrennt. Meine selige Großmutter hatte auch was Schriftliches in ihrem Kopfkissen versteckt. – Aber alles umsonst. Wie vor einem Rätsel steh’ ich. Alles, was unsere Frau Präsident anfaßte und sagte, war so klar wie Glas. Aus diesem Dunkel kann ich mich mein Lebtag nicht rausfinden.“

„Wenn ich Sie recht verstehe, ist Fräulein von Ostried nun doch zusammengebrochen, so tapfer sie sich angestellt hat. Mir gegenüber würde sie sich zweifellos weiter zusammennehmen. Sie werden darüber mehr wissen. Oder doch nicht? – Ich glaube, daß sie wieder in Stellung zu gehen beabsichtigt? Eine Dame verlangte telephonisch ausführliche Auskunft über sie.“

„Sie ist sehr stolz, Herr Justizrat. Das habe ich früher nie gefühlt. Ist’s ihre adlige Herkunft, oder was anderes. Sie will jedenfalls nichts von unsereinem annehmen. Und wie gern tät ich’s doch!“