„Das kann ich ihr nicht verdenken, Pauline. Es tut ihr weh, daß sie leer ausgegangen sein soll. Am meisten quält sich darüber ihr Stolz, auf den Sie schlecht zu sprechen sind. Glauben Sie mir, es ist gut, daß sie den besitzt. Hat Sie sich heute zu Ihnen ausgesprochen?“

„Sie hat nur gesagt, daß gegen Mittag jemand ihre Sachen abholen würde.“

„Und über das „Wohin“ kein Wort?“

„Nichts. Fragen habe ich nicht mögen. Es kam mir zu aufdringlich vor. Sie hat ja eigenes Geld, Herr Justizrat. Ich hab’s mit meinen Augen gesehen. Das wird sie nun wohl erst aufbrauchen.“

Selbst seinem juristischen Scharfsinn fehlte im Augenblick die Verbindung zwischen Eva von Ostrieds ihm gegenüber getaner Aeußerung und ihrem scheinbar ganz neuen Entschluß, nun doch wieder in Stellung zu gehen.

„Gleichviel, Pauline, tun wir unsere Pflicht, indem wir die Kiste durchstöbern. Wenn sie auch nichts von Wichtigkeit bringt, müssen wir uns bescheiden!“

Trotzdem er sich wiederholt sagte, daß eine erfahrene, klardenkende Frau wie es die Präsidentin gewesen, Beschlüsse von größester Wichtigkeit unmöglich zusammen mit wertlosen Zeilen, die lediglich einen Erinnerungswert für sie selbst haben mochten, zusammenschichten würde, durchsuchte er – eine Viertelstunde später – umständlich jedes noch so kleine Blättchen.

Auch dies war vergeblich, genau, wie er es gefürchtet hatte, und seufzend klappte er endlich den Deckel herunter und legte das viel zu wuchtige Schloß eigenhändig in die Krampe.

„Am liebsten ginge ich zu ihr und bäte sie vorläufig in mein Haus,“ sagte er vor sich hin.