„Ich fürchte, Herr Justizrat, das wird nichts helfen. Sie ist wie von Stein geworden. – Als ich ihr heute Morgen den Kaffee gebracht habe, war sie kalkweiß. „Haben Sie schlecht geschlafen, Fräuleinchen,“ hab’ ich gefragt und wollte ihre Hand ein bißchen streicheln. Denn so ein Elternloses mag sich jetzt doppelt und dreifach einsam fühlen. Aber, was meinen Sie, Herr Justizrat; weggezogen hat sie ihre Hand und ganz vergnügt getan. Daß sie prachtvoll geschlafen hätt’ und sich wer weiß wie sehr auf die Arbeit freue. Ja, das hat sie gesagt. Angesehen hat sie mich dabei aber nicht. – Seitdem war ich nicht wieder bei ihr drin. Nur ein bißchen gehorcht hab’ ich mal, ob sie vielleicht geweint hat. Ich glaub’ aber wohl nicht. Laut geredet hat sie. Ich hab’ sogar verstanden, was es war. „Der Uebel größtes...“ Jawohl, immer nur diese drei Worte sind’s gewesen.“
„Wäre sie nicht bereits volljährig, hätte ich mich ihretwegen längst mit dem Vormund in Verbindung gesetzt.“
„Ich glaube, damit wär’ sie auch nicht zufrieden gewesen. Sie hat kein Vertrauen zu ihm fassen können und wird froh sein, daß er ihr nichts mehr zu sagen hat.“
„Besitzt sie denn keine Freundin. – Niemand, der einigen Einfluß auf sie ausüben könnte, Pauline?“
„Davon hab ich nie etwas gemerkt. Unsere Frau Präsident hat ihr in meiner Gegenwart mehr als einmal zugeredet, sie sollte doch mit diesem oder jenem jungen Mädchen, das in unser Haus kam, spazieren gehen. Das hat sie immer abgelehnt. Den Grund kann ich mir auch denken.“
„Ich wüßte keinen. Ich habe vielmehr die Ueberzeugung von ihr, daß sie ein guter und zuverlässiger Kamerad sein müßte.“
„Sie ist aber zehnmal hübscher wie die andern. Sie sollten nur mal die Blicke sehen, wenn sie auf der Straße geht. Mit ihr zusammen Einkäufe zu machen, war ein richtiger Spaß. War das ein Herumgedrehe und Nachgegucke. – Hinterhergelaufen sind sie auch wohl. – Fremdes junges Blut freut sich darüber aber nicht. Das wird leicht neidisch.“
„Möchte ihr die Schönheit nur nicht zum Unsegen werden.“
„Die Angst ist unnötig, Herr Justizrat. Sie konnte zu kalt und stolz aussehen, wenn’s einer von den jungen Herren gar zu auffällig mit seiner Bewunderung trieb.“