Der Justizrat mußte lächeln.
„Sie haben auch diesmal Recht, Pauline. Es will mir nur nicht in den Kopf, daß man sich jetzt einfach nicht mehr um sie bekümmern soll.“
„Das wär allerdings traurig. Aber ich werde, ob sie will oder nicht, aufpassen auf sie. – Geht es ihr schlecht, komm ich zu Ihnen, Herr Justizrat. Das andere besorgen Sie denn.“
Eben ging Eva von Ostried, wie in tiefen Gedanken versunken, unten vorüber, ohne die beiden sorgenvollen Gesichter zu bemerken. Sie hatte einen eiligen Gang vor. Noch einmal wollte sie versuchen, unterzukommen. Die neueste Tageszeitung hatte ihr wiederum einen Fingerzeig gegeben. Die hastige Unruhe des Verkehrs war ihr etwas Ungewohntes. Ihr Kopf begann von neuem zu schmerzen. Trotzdem dachte sie nicht daran, umzukehren. Ein verbissener Trotz lag auf ihrem bleichen Gesicht, als sie endlich in die Friedensstraße einbog und die bezeichnete Nummer zu suchen begann. Das neue Gesuch verlangte eine gebildete Stütze im Osten Berlins.
Das Haus, in das sie eintrat, war so dunkel, als sei es ohne Fenster erbaut worden. Im Flur roch es nach Mittagskohl, Kaninchen und Leim. Jeder einzelne Geruch für sich wäre erträglich gewesen. Die Vereinigung erregte ihr Uebelkeit. – Das im dritten Stock auf ihr Klingeln öffnende Mädchen, lächelte ihr vertraulich zu:
„Na, denn man rin in die gute Stube. Drei sind all vor Ihnen.“
Sie wurde in die Küche gewiesen. Eine der Wartenden rückte gefällig auf ihrem Schemel zur Seite.
„Wir werden uns schon vertragen.“
Eva kam der freundlichen Aufforderung nicht nach. Sie kämpfte mit dem Gefühl des Schwindels. „Ein Glas Wasser,“ bat sie matt.