Eins der Mädchen hielt einen Tassentopf ohne Henkel unter die aufgedrehte Leitung. An den schneeweißen Lippen der Neusten merkten sie, daß deren Einsilbigkeit nicht dem Hochmut entsprang. Eva von Ostried wollte trinken, aber sie vermochte das unsaubere, abgestoßene Gefäß nicht an den Mund zu führen. Stumm setzte sie es nieder und wandte sich zum Gehen.

– – Am Spätnachmittag dieses Tages hielt eine Droschke vor dem Haus der verstorbenen Präsidentin. Eva von Ostried hatte bereits auf sie gewartet. Nun trat sie vom Fenster zurück. Koffer und Handtasche waren fertig zum Fortschaffen. Sie selbst zum Einsteigen bereit. Auf dem Mahagonitisch lag wieder die kleine schwarze Tasche mit den zwölftausend Mark anvertrauten Geldes. Ihre Hand streckte sich danach aus und zuckte doch wieder leer zurück. Dann aber preßte sie die Lippen zusammen und riß sie an sich. –

Nun war es entschieden! –

Die alte Pauline kam angelaufen: „Sie wollen doch nicht etwa schon weg, Fräuleinchen?“

„Ist es nicht höchste Zeit damit,“ fragte sie ruhig. „Leben Sie wohl, Pauline.“

„Wohin soll es denn nun gehen? Das ist doch gar nicht möglich.“

„Wohin?“ Die schönen Augen schlossen sich leicht. Der Raub in ihrer Hand hatte ihr Herz erkältet. „Vielleicht schreibe ich Ihnen einmal, beste Pauline.“