Eva von Ostried schluchzte an der Brust der Gütigen.
„Ja.. das weiß ich und darum..“ Frau Melchers unterbrach sie schnell.
„Darum jetzt heraus in die Sonne. Vergolden und durchwärmen lassen, was dunkel und geheimnisvoll erscheinen will. Gehen Sie, Eva, ich bin sehr müde..“
Eva von Ostrieds Pulse klopften in fieberhafter Erregung, als sie, zu der Stunde der allgemeinen Mittagsrast, den Weg zum Kurtheater einschlug. Ihr Vorwärtshasten wirkte wie ein beständiger Kampf. Nach wenigen Laufschritten blieb sie stehen, sah rückwärts, zögerte, als riefe sie eine mahnende Stimme zur Umkehr und jagte dann doch weiter, als müsse sie um jeden Preis die versäumte Zeit einholen. Einmal sprach sie ganz laut zu sich, weil ihre zitternde Seele dies dumpfe Schweigen nicht länger zu ertragen vermochte.
„Und.. ich werde es ihr doch sagen! Sie ist so gut..“ Gleich darauf huschte ein ängstlicher Schein über ihr Gesicht. – „Wenn sie es mir aber nicht gestattet? O, sie kann auch hart und fest bleiben, sofern sie etwas nicht billigt.“
Die Mittagssonne goß auf jedes Blatt einen großen, goldenen Tropfen. Unzählige, bis zum Rande gefüllte Becher schwebten auf allen Zweigen. Einer strömte seinen kostbaren Inhalt über Eva von Ostrieds schlanke, schöne Gestalt aus und überfunkelte sie mit verschwenderischen Glänzen. Ihre Augen waren geblendet. Unsanft stieß sie mit dem Eiligen zusammen, der ihr entgegenlief.
„Hoppla.. Fräulein von Ostried.. wohin des Weges? Sie wollen mir doch nicht etwas ins Handwerk pfuschen.“
Der Geheime Sanitätsrat Schwemann war es, der die Präsidentin behandelte.
„Nein, das wage ich nur in äußerster Not.. etwa, wenn Frau Präsident absolut nichts von Ihnen oder Ihresgleichen wissen will, Herr Geheimrat,“ sagte sie frisch.