„Wenn Sie das genau wissen – und Sie waren ja stets ein sehr sicherer Beobachter – ja, warum zögern Sie dann noch, alter Freund?“
Ralf Kurtzig fuhr jäh zurück.
„Ich verstehe Sie nicht, Baron. In dieser Sache vertrage ich keinen Scherz.“
„So tief sitzt es schon! Dann beeilen Sie sich gefälligst, ehe Sie zu spät kommen. Eine Stunde Bedenkzeit hat sie Ihnen gegeben und zu einer Verlängerung dürfte sie sich kaum verstehen.“
„Ich verbitte mir alles weitere in dieser Sache.“ Der alternde Meister war so hastig aufgestanden, daß er dabei sein Glas vom Tische stieß.
„Kurtzig, machen Sie keine Geschichten. Sie werden doch wohl von einem guten Freund eine harmlose Neckerei vertragen? Wozu hätte ich meine gesunden Augen? Sie hängt augenscheinlich sehr an Ihnen, kennt Sie durch verschiedene Jahre, lächelt Ihnen zu, strahlt Sie an. Herrgott, was ist denn dabei? Haben wir nicht schon ganz andere Sachen erlebt? Denken Sie an den alten Dresdner Amfortas aus den achtziger Jahren und seine jugendschöne kaum zwanzigjährige Gattin, die Heroine des W.’r Stadttheaters.“
„Ich bin ihr Lehrer, vor dem sie – genau wie meine andern Leute – zittert und bebt.“ Es klang schon milder.
„Wenn Sie das sagen, wird es ja wohl stimmen. Mir scheint, das Zittern und Beben liegt reichlich lange hinter Euch beiden, was?“
„Ich habe Anteil an ihrer Entwicklung – Freude an ihrer Kunst und Schönheit. Es fällt mir nicht ein, das zu bestreiten.“