10.
Ein ganzes langes, reiches Leben umsonst gelebt! Den angestrebten Daseinszweck verfehlend – nichts anderes in ihren Augen als eine Beute wahnwitziger Lächerlichkeit!
Er konnte ihr nach diesem nie wieder begegnen. Das stand in ihm fest.
Eva von Ostried war in ihr Hotel zurückgekehrt. Hastig wollte sie die Treppe emporeilen, da winkte das Fräulein aus der Buchhalterei ihr durch das herabgelassene Schalterfenster zu.
„Ein Herr hat schon zweimal nach Ihnen gefragt. Jetzt wollte er sich nicht wieder fortschicken lassen. Er wartet auf dem Gang vor Ihrem Zimmer. Es war nichts dagegen zu machen.“
Eva von Ostried war sehr müde. Jeder Schritt wurde ihr schwer. „Wer kann das sein,“ dachte sie ohne sonderliches Interesse.
Es war ein ihr gänzlich Fremder, klein und beleibt, im Aeußeren elegant, der Anzug von modernstem Schnitt, Wäsche und Schlipsnadel leuchteten um die Wette. Nur seine Hände paßten nicht dazu, die sich, dicht behaart und mit kurzen, dicken Fingern und ungepflegten Nägeln ihr wie freundschaftlich entgegen streckten.
„Sakra, das hat lang gedauert, meine Gnädigste.“
Sie wich einen Schritt zurück. Ihr fiel es nicht ein, ihre Hand zu heben. „Ich wüßte nicht, daß ich eine Verabredung mit Ihnen getroffen hätte,“ entgegnete sie kühl.