„Der tote Ofen – was meinen Sie damit?“
„Was man meinen muß, wenn man ein Herz im Leibe hat. Wein und Lieb sind halt Zwillinge. Wenn einem das erste bitter schmeckt oder vor der Nase weggetrunken wird, ist gewöhnlich das andere versalzen.“
„Und was, glauben Sie, wird dann aus ihm?“ Eva von Ostried hatte vergessen, mit wem sie sprach. Der Klang einer menschlichen Stimme tat ihr wohl.
„Danach? Es kommt drauf an. Einer wirft sich in die Brust und versuchts mit einem feinen Pelz aus andern Sachen, Gott weiß, da gibt’s ja genug. Die einen spielen oder arbeiten gar wie wild und manch’ einer soll dabei auch schon den Verstand verloren haben. Die andern mögen nicht weiter. Die machen Schluß.“
Schluß – Schluß schrie es in plötzlich erwachender Angst in Eva von Ostried. Die Kellnerin lauschte aufmerksam auf und deutete dann mit schalkhafter Miene und weit von sich gestreckten Armen geradeaus.
„Hören Sie das Poltern, gnädiges Fräulein? Ich wette, daß das die ungeduldigen Herren Künstler aus der Klause sind. Sie werden sich einfach vor seine Tür hinhocken. Ja, das machen die! Passen Sie mal auf.“
Und mit einem Lachen in den Augen lief sie aus dem Zimmer, nachdem sie noch vielmals um Vergebung wegen der dummen Rederei gebeten hatte.
– Eva von Ostried wollte sich endlich zur Ruhe begeben. Denn morgen. Da war sie schon wieder bei Ralf Kurtzig. Vor der Abreise nach Berlin hatten sie mit einander noch in die Pinakothek gehen wollen. Während sie das dachte, lauschte sie nach den Geräuschen vor ihrer Tür. Da trappten wohl wirklich Ralf Kurtzigs frühere Schüler, um noch ein Stündlein bei ihrem Meister zu sitzen. Sie fühlte, daß er sich darüber freuen würde, wenngleich sie seine polternden Worte bei der Erkenntnis ihrer Huldigung zu hören meinte. „Geht lieber schlafen – Ihr. Das ist Euern Stimmen zuträglicher.“
Sie öffnete die Tür. Ihre Blicke irrten den matterleuchteten Flur entlang. Vier erwartungsvolle Gesichter wandten sich ihr entgegen.