Demnach fehlte ihr alles, was sie einst als begehrenswert erstrebte. Sie litt unter diesem gewaltsam durchgeführten Mangel wie an einer schleichenden Krankheit.
Und schön!
Das alte jäh aufwallende Verlangen nach äußerem Tand packte sie ungestüm. Nach der Stunde im Grunewald würde sie endlich alles notwendig Gewordene in einem der ersten Geschäfte bestellen.
War denn aber wirklich dazu das Geld vorhanden? Sie hatte sich gelobt, fortan – selbst wenn sich die Einnahmen vorläufig nicht steigern sollten – den kleinen Blechkasten mit des ehrbaren Tabaksbauern Zurückgezahlten nicht zu öffnen.
Aber jetzt riß sie ihn aus dem Dunkel des Schreibtisches hervor, ließ die Feder aufspringen und entnahm dem dünngewordenen Päckchen einen Schein! Er würde genügen.
Nach kaum einer Minute legte sie ihn wieder zu den andern zurück. Ihr Gesicht war sehr blaß geworden.
Was hatte sie vorgehabt? Einen Teil des Raubes dazu verwenden wollen, um der alten Eitelkeit zu dienen. Die mühselige Arbeit restloser Selbstbezwingung also einfach vernichtend, indem sie von neuem sündigte.
Das konnte allein kommen, weil ihr Ralf Kurtzigs Beistand fehlte. Sie nahm die Kreidezeichnung, auf der ihn ein junger, talentvoller Maler mit klarem Blick für seine innere Größe darstellte, zur Hand und vertiefte sich darin.
Ob sie ihn nicht doch geliebt hatte? Unbewußt?
Der Alltag entriß sie endlich allem Grübeln. Herrn Alois Sendelhubers Vertrag sah sie vorwurfsvoll ob der Vernachlässigung an und verwandte sich in dessen kleine, schlau zwinkernde Augen. Sie nahm ihn an sich, um ihn später auf der Fahrt zu lesen. Jetzt galt es keine weitere Zeit zu verlieren. In diesem Augenblick steckte aber die unzufriedene Bedienerin den Kopf zur Tür hinein.