Eva von Ostried dachte nach und mußte zugeben, daß die Mahlzeiten zumeist reichlich und schmackhaft gewesen.

„Daraus erkennen Sie selbst, wie gut Sie mit dem Wochengeld auskommen können,“ stellte sie fest.

„Nee,“ triumphierte das Mädchen, „die Rechnung stimmt nich. Der Zuschuß hat aufgehört. So klappt’s.“

„Welcher Zuschuß? Was meinen Sie damit?“

„Meine Mutter hat uns Kindern gesagt, wenn einer tot ist, dem man was geschworen hat, könnt’ man getrost seinen Mund auftun. Darum will ich auch nicht länger schweigen. Herr Kurtzig hat mir doch regelmäßig Geld gegeben, damit das Fräulein seine kleine Freuden hätt’.“

„Geld! Und das erfahre ich erst heute?“

„Ich hab’s schon gesagt. Schwören mußte ich ihm, daß ich meinen Mund hielt.“

„Wieviel?“ fragte Eva von Ostried und fühlte eine schwere Mattigkeit in allen Gliedern.

„Wie kann ich das noch wissen. Viel hat er ja auch wohl nicht gerade gehabt. Das merkt unsereins schnell. Mal zwanzig Mark, mal auch ein bißchen weniger. Unter zehn Emmchen gab er aber nie. Dazu hat er das Fräulein viel zu sehr verehrt.“