Eva von Ostried hatte die Empfindung, als wolle ihr Herz verbrennen. Und in den Blicken des Mädchens stand die helle Schadenfreude über die Bestürzung der jungen Herrin.
„Es gibt noch viele, die mehr spendieren würden, wenn sie Sonntag abends hier ab und zu ein bißchen singen und spielen könnten, Fräulein.“
„Gehen Sie auf der Stelle,“ befahl Eva von Ostried und wies mit der Hand nach der Tür.
„Mach ich gern! Wollen Sie meine Sachen nachsehen, ob ich aus Versehen was Fremdes eingepackt hab’? Es ist nämlich schon alles parat.“
„Nein! Nur beeilen Sie sich möglichst, damit Sie aus meiner Wohnung kommen.“
– – In der Küche polterten dann die Schritte eines Mannes, der das bereit gehaltene Gepäck abholte. Kräftig wurde eine Tür zugeschlagen. Sie machte keine Miene nachzusehen, ob das Mädchen nun endlich fort sei. Sie fühlte sich wie zerschlagen.
Aus einem matten Pflichtbewußtsein, das sich widerwillig regte, ging sie zum Fernsprecher und teilte der Schülerin im Grunewald mit, daß sie sich zu elend fühle, um heute herauszukommen. Dann saß sie stumpf und regungslos auf ihrem Platze.
Ralf Kurtzig, du hast es gut gemeint! Auch darin! Und doch, wenn du das jetzt wüßtest, du warst ein so kluger, reifer Mensch, hast du nicht geahnt, daß du dem Klatsch mit dieser Herzensgüte reichlich Nahrung gabst?
Nein, das hatte er nicht erwogen. Dazu stand sie ihm zu hoch. Konnte es wohl einen untrüglicheren Beweis als diesen für seinen unerschütterlichen Glauben an ihre unantastbare Reinheit geben? Ein edler Mensch kann ja gar nicht mit der Niedrigkeit eines andern rechnen.