Seine Liebe erschien ihr in einem völlig neuen Lichte. Ein ungeheurer Stolz, daß er sie erwählen wollte, erfüllte sie. Eine dankbare Freude, daß sie ihn erlaben durfte, bis zu jener Stunde am Brunnen.

Aber solche Liebe, mag sie auch unerwidert bleiben, verpflichtet zu einem vollgültigen Beweis von Würdigkeit. Sie nahm Herrn Alois Sendelhubers Vertrag aus der Tasche und überlas den kurzen Inhalt zweimal. Er hatte sie für den neunten November verpflichtet. Der neunte November war aber, wie sie Herrn Sendelhuber wiederholt mitgeteilt hatte, längst vergeben.

Es paßte Herrn Alois Sendelhuber natürlich besser, wenn er ihren Einwand einfach vergaß. Sofort schrieb sie ihm und bat um Abänderung.

Als eine Woche später immer noch keine Antwort eingetroffen war, drahtete sie. Und wartete nun erregt und ungeduldig auf seine Erklärung.

Herrn Sendelhubers Geschäftstüchtigkeit hatte nicht unterlassen, im Falle sie sich ohne ärztliche Beglaubigung auch nur einer der drei eingegangenen Verpflichtungen entzöge, eine erhebliche Strafe festzusetzen. Die Summe würde voraussichtlich diejenige der gesamten Winterkonzerte übersteigen.

Kurz entschlossen ging sie zu einem Anwalt.

Er fragte nicht, wie sie erwartet, nach ihren Wünschen. Aber er hörte sie wenigstens an.

„Kontrakte werden gemacht, daß sie vor der Unterschrift durchgelesen werden,“ sagte er großartig.

Das gleiche hatte sich Eva von Ostried auch bereits gesagt. Trotzdem mußte dieser eine Punkt mit Leichtigkeit unwirksam zu erklären sein. Das lag ihr im Gefühl.