Als sie mit der Darlegung ihres Falles zu Ende gekommen war, suchte er wiederholt nach passenden Worten und machte kleine Pausen, als er sie endlich gefunden, in denen er sie fast erstaunt ansah. Sie fühlte, daß er – wider Willen – ihrer Schönheit huldigen mußte.
Das geschah ihr oft. Aber noch nie zuvor empfand sie eine ähnliche warme Freude darüber.
Nun hatte er sich wieder voll in der Gewalt. Sein Blick ruhte nicht mehr auf ihrem Gesicht. Er schien alles von der Spitze des Stiftes, den er unruhig zwischen Daumen und Zeigefinger wirbelte, herunterzulesen.
„Sie können beweisen, gnädiges Fräulein, daß Sie tatsächlich über den strittigen neunten November verfügt hatten, während Sie in München mit diesem – so danke sehr, Herrn Alois Sendelhuber verhandelten?“
„Einen vollgültigen Beweis nennen Sie dies wohl nicht,“ fragte sie und hielt ihm das Notizbuch mit ihren Aufzeichnungen entgegen. Er ließ die Blicke länger auf den aufgeschlagenen Seiten ruhen, als es die eine ihm bezeichnete Zeile erforderte.
„Doch – doch,“ meinte er zerstreut und gab es ihr noch nicht zurück. „Wollen Sie mir aber besser noch eine Bestätigung der Schwestern Moldenhauer mit der Namhaftmachung des Datums, an welchem die Abmachung geschah, besorgen.“
„Das würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. So viel ich weiß, befinden sie sich auf einer großen Konzertreise und sind erst eine Woche vor dem neunten in Berlin zu erwarten.“
„Sie könnten es aber eidlich erhärten, nicht wahr?“
„Ja, das kann ich. Außerdem habe ich Herrn Sendelhuber mehrmals darauf aufmerksam gemacht, daß ich ihm diesen Tag nicht geben kann.“
In das ernste Gesicht kam ein Lächeln, das es sehr jung machte.