„O nein, immer gründliches Verfahren. Ich erspare Ihnen nichts. Den Schreiber interessiert schon erstmal Ihr Name. Nicht wahr, er ist ungewöhnlich und klingt wie Musik. Und dann, daß Sie Künstlerin sind. Wir haben hier natürlich die verschiedensten Größen als getreue Klienten. Dies aber ist ein seltener Fall. Wie wird er ihn nicht lesen. Der Invalide, der das Amt hat, die abgehenden Schriftstücke in den Umschlag zu befördern – nun – warum soll er nicht das gleiche durchaus menschliche Verlangen haben? Durfte ich da auch nur ein Wort hineintragen, das mein Herz verraten hätte?“

Sie stand, übergossen von neuer tiefer Röte vor ihm. Noch einmal wehrte sie sich verzweifelt.

„Was hat Ihr Herz damit zu schaffen?“

„Mein Herz?“ sagte er. „Das hat keine Ruhe finden können – seitdem!“

13.

Eva von Ostried hatte seit kurzem ein jüngeres Mädchen in ihrer Behausung, das sie in einem Zustande der Erschöpfung und Krankheit aufgefunden und zu sich genommen hatte, ein Mädchen, über dessen Vergangenheit ein undurchsichtiger Schleier gebreitet schien.

Gretchen Müller nannte es sich und niemand hier wußte um seine Vergangenheit. Die Einzige, die das Recht gehabt, sie zu befragen, rührte nicht daran. So blieb die Spur verwehrt.