„Du lügst jetzt wie stets,“ sagte sie.
„Dann weißt du mehr wie ich. Wozu hätte ich nötig, mich überhaupt noch um dich zu kümmern, nachdem du mir diese unglaublichen Ungelegenheiten bereitet hast.“
„Was hast du mit mir vor?“
Er ließ sich auf die Truhe nieder. Nun war er ihr so nahe, daß er ihr mit der weißen, gepflegten Hand über das lose silberne Haar hätte streichen können. Ein Sonnenstrahl schwebte auf sie herab und verfing sich darin. Die fieberhafte Röte wachsender Angst gab dem schmalen Gesicht den trügerischen Schein der Gesundheit.
„Du siehst immer noch sehr reizend aus,“ flüsterte er ihr ins Ohr. „Indessen, du hast das richtige Gefühl. Ja, ich habe etwas mit dir vor. Eine Kleinigkeit nur. Einen Gegendienst.“
„Ich bin zu schwach geworden, um dich gleichfalls zu verderben. Das wäre der einzige Dienst, auf den du Anspruch hättest.“
„Laß das jetzt. Erinnere dich gefälligst an die Zeiten, in denen du mir täglich deine Not geklagt hast. Angeblich littest du doch unerträglich unter der Tyrannei der lieben Deinen. Dein Vater wollte Kapital aus dir schlagen. Dein tugendsamer Bruder hätte dich am liebsten an die Kette gelegt. Und das Schätzchen, das sie dir ausgesucht hatten. Sei doch endlich mal ein bißchen fidel, mein Kind und lache mit – war er nicht fürchterlich mit seinem vogelähnlichem Kopf und den drohenden Wulsten unter den kleinen Augen? Na, ich will dir das schöne Bild nicht weiter ausmalen. Du besorgst das in deinen jetzigen sicher recht stillen Stunden besser allein. Also – Vorwürfe muß ich energisch zurückweisen. Du hast es mir nicht schwer gemacht damals.“
„Ich habe dir vertraut.“
„Habe ich dies Vertrauen vielleicht nicht gerechtfertigt? Hättest du nicht den Himmel auf Erden behalten können, wärest du nicht so wahnsinnig kleinlich und eigensinnig gewesen? Hatte ich nicht ein behagliches Nest für dich bereit? Fehlte auch nur das Geringste für deine Bequemlichkeit darin?“
„In dem Augenblick, der mich lehrte, daß du längst anderweitig gebunden warst, habe ich nichts mehr von dir angenommen. Das wenigstens sollst du mir jetzt bestätigen.“