„Wenn du so großes Gewicht darauf legst. Schön, mein Kind. Ich bestätige es hiermit feierlich. Warum aber? Ein Künstler braucht viel Geld, wenn er selbst keins besitzt. Mit dem Pumpen ist das stets eine mißliche Geschichte. Das Sicherste und Bequemste bleibt eine reiche Partie. Ja, mag er selbst Unsummen einnehmen, er wird als freier Mann stets doch eine Kleinigkeit über seinen Etat hinaus verbrauchen. Das verstehst du nicht. – Ich verdiente dazumal noch wenig. Die Kommerzienrätin, auf deren einer Abendgesellschaft ich dich nach der bestellten Singerei, kennen lernte, bezahlte anständig. Aber sonst – Lieber Gott. Da mußte ich mich eben auf diese Weise sichern.“
„Daß du dich vor deiner Frau nicht schämst?“
„Frage sie, ob sie nicht überaus glücklich mit mir geworden ist.“
„Ich möchte ihr die Hände küssen, damit sie mir vergibt, was ich ihr unwissend geraubt habe.“
„Wünsche dir das meinetwegen. Daß es sich dir niemals erfüllt, laß meine Sorge sein. Im übrigen – ich muß endlich deine Frage beantworten: Du wolltest wissen, was ich mit dir vorhabe? Ich will vor allen Dingen deine Lage aufbessern. Dich auf eigene Füße stellen. Du magst dir hinfort ein Leben nach deinem Geschmack einrichten. Nimmst du Vernunft an, werden wir uns sehr schnell verstehen. Höre zu. Ich verlange von dir, daß du niemals zu Eva von Ostried meinen Namen nennst. Spitzte sich auch selbst, im für mich ungünstigsten Falle, ihr Interesse für dich derartig zu, daß sie völlige Offenheit von dir verlangte. Denn sie ist schrecklich moralisch und würde dich nicht bei sich behalten, wüßte sie – – Sage ihr in diesem Fall, was du willst. Nur nicht die Wahrheit. Du hast ja damals, als du das Doppelspiel triebst, sehr nett lügen können. Also schweigen, ja?“
Sie stieß seine Hand fort. „Eines solchen Versprechens bedarf es nicht! Ich würde mich eher unter hundert Qualen zu Tode martern lassen, ehe ich mein ganzes Geheimnis preisgäbe.“
„Schön. Dann sind wir in der Hauptsache einig. Ich danke dir, Lieselotte.“
„Nicht diesen Namen nennen, nicht den Namen!“
„Du hast ganz Recht. Je gründlicher wir sind, desto wirksamer wird alles. Also, Gretchen Müller, höre mich noch ein paar Minuten an. Ich will mich nicht entschuldigen. Das lag mir niemals. Selbst, wenn ich in deinem Fall ausnahmsweise Gewissensbisse gehabt haben sollte.“