Das waren die Worte, die bisher Eva von Ostried als genügende Erklärung angesehen hatte. Heute kämpfte sie dagegen an.

„Ich meinte auch oft genug, daß sich etwas nicht zwingen ließe und es geht dann doch.“

„Weil Sie nicht wissen, wie schwer eine Schuld lasten kann.“

Einen Augenblick sah Eva von Ostried zögernd zu Boden. Dann sagte sie leise und schwermütig:

„Doch, das weiß ich wohl.“

„Aber die brennende Scham kennen Sie nicht.“

„Für so wertlos halten Sie mich, Kind?“

„Nein,“ wehrte die andere erschrocken ab, „nur für nicht so tief gesunken, als ich es bin.“

Einen Augenblick fühlte Eva von Ostried das Verlangen, sich dieser Leidensgefährtin gegenüber auszusprechen. Es mußte unsäglich schön sein, mit einander zu weinen. Dann empfand sie es als Schwäche, überwand sie und sagte frisch und froh: