„Die aufgezwungenen Liebesgaben, mit denen man, in bester Absicht zwar, seinen lieben Nächsten quält, sind die gefährlichsten, glaube ich. Also begrabe ich hiermit meinen Wunsch feierlich.“

„Ich bringe Ihnen nichts wie Enttäuschungen, Fräulein von Ostried.“

„Dies heute war wirklich eine. Aber jetzt ist sie überwunden. Sprechen wir schnell von etwas anderem. Sehen Sie nur, Sie haben da Ihr Taschentuch verloren, Kindchen.“ Und sie hob das feine Batistgewebe auf und betrachtete es aufmerksam. „Es gehört Ihnen doch oder sollte es einer aus der Schülerschar vergessen haben. Lassen Sie mich nach dem Namen sehen.“

Gretchen Müller machte eine Bewegung, als wolle sie sich darauf stürzen, um es Eva von Ostried zu entreißen, aber als trügen sie die müden Füße nicht länger, ließ sie sich wieder auf den kleinen Hocker sinken.

„„P. K.“ ist es gezeichnet, Fräulein Gretchen? Ich kenne jemand, der es verloren haben könnte, Fräulein Gretchen,“ sagte Eva von Ostried ahnungsvoll. „Soll ich seinen Namen nennen oder – wollen Sie es tun?“

Scham und Angst schüttelten den elenden Körper.

„Ich will sterben,“ flehte das Mädchen.

„Wird es Ihnen so schwer,“ fragte Eva jetzt. „Dann muß ich es wohl tun. Nicht wahr, Paul Karlsen war hier – bei Ihnen?“

Mit einem Aufschrei warf sich Gretchen Müller ihr zu Füßen und umklammerte ihre Knie.

„Muß ich jetzt fort?“