„Ich bin ebenso wenig Jurist, wie Sie, Herr von Ostried und unser zuständiges Amtsgericht kenne ich, Gottlob, bisher nur von außen. So viel weiß ich aber, daß der Justizrat, dessen Teilhaber er ist, einen guten Namen und ungeheuren Zuspruch hat.“
„Das genügt mir völlig. Anläßlich des Familientages muß ich nämlich einen Anwalt für bestimmte Zusätze und kleine Abänderungen in unseren Statuten gewinnen.“
Er empfand es als angenehm, dies bei seiner Bitte um Eva von Ostrieds Adresse nunmehr in den Vordergrund stellen zu können.
„Wenn ich recht unterrichtet bin, haben Sie, Herr Amtsrat, als einstiger Vormund und Bevollmächtigter von Eva von Ostrieds Vermögen auch sehr wertvolle alte Möbelstücke aus dem Waldesruher Schloß zur Aufbewahrung übernommen?“
Der Amtsrat lächelte grimmig.
„Vermögen! Das klingt außerordentlich stolz. Wissen Sie zufällig, wie hoch sich die Summe bezifferte?“
„Wie käme ich zu einer genauen Kenntnis. Wir mit dem gleichen Namen hofften damals, daß sie jedenfalls zu einem standesgemäßen Unterhalt ausreichen würde.“
„Nett von Ihnen! Sie hofften, leider, vorbei. Eintausend Mark waren’s!“
„Wie könnte sie sich damit durchgefunden haben?“
„Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich hatte die Ehre, eine vortreffliche Frau, die ihr eine zweite Mutter geworden war, kurz vor ihrem unerwartet eingetretenen Tode kennen zu lernen, und ging mit dem berechtigten Gefühl von ihr, daß sie fraglos einen Teil ihres soliden Reichtums meinem verflossenen Mündel überschriebe. Erst gestern teilte mir mein Neffe mit, der übrigens diese Wissenschaft wiederum von dem Notar und Freund der Toten, dem schon erwähnten tüchtigen Justizrat, schöpfte, daß der plötzliche Tod sie daran gehindert haben müsse. Jedenfalls ging Eva von Ostried leer aus. Aber Sie fragten auch nach den alten Möbeln. Einen Augenblick! Bitte, hier ist das Verzeichnis. Es sind Stücke von großer Schönheit darunter. Das Sterbezimmer ihrer Mutter besitzt Eva bereits. Deren kleines Wohnzimmer – übrigens eingebrachtes und daher nicht zur Masse gehöriges Gut, wie auch jene Sachen, die sich schon in Eva von Ostrieds Besitz befinden – stellt dies dar.“