„Ein offenes Wort, Herr Amtsrat! Sind diese kostbaren alten Stücke verkäuflich? Ich weiß nicht, ob Sie ahnen, daß ich leidenschaftlicher Sammler von altertümlichen Möbeln bin. Einen ebenso hohen Preis wie jeder andere fremde Liebhaber würde ich natürlich auch anlegen.“
„Ich bin so ungebildet in diesen Sachen, daß ich nicht mal sagen kann, ob das wirklich Altertümer in Ihrem Sinne sind. Nur das eine weiß ich aus dem Mund von Evas Mutter, daß sie schon im Heim von deren Großeltern gewesen sind.“
„Darf ich wissen, wie Sie über einen Verkauf denken, Herr Amtsrat?“
„Darüber habe ich nichts mehr zu bestimmen, Herr von Ostried. Als ihr Vormund hätte ich einen besonders günstigen Verkauf, mit Rücksicht auf die bestehende Vermögenslosigkeit, zweifelsfrei verantworten können. Jetzt stehe ich kaum anders wie jeder Fremde zu der Besitzerin.“
„Könnten Sie mir wenigstens die Möbel zeigen, Herr Amtsrat?“
„Dazu wäre meine alte Klidderten nötiger als ich. Ich habe mich nur bis zu dem Augenblick ihrer sicheren Unterstellung darum gekümmert. Das Zudecken und Abstauben ist der Klidderten ihre Sache. Die wird aber gerade mit dem Kochen zu tun haben. Eine Sache könnten Sie indes ansehen. Evas Mutter machte sie mir zum Geschenk. Stil und Holzart sind hier wie dort gleich. Sehen Sie dort, der Schreibtisch aus italienischem Nußbaum.“
Es war ein wundervolles Stück mit reicher künstlerischer Tiefschnitzerei. In Form und Art an die alten Zylinderbüros erinnernd, die in keiner Großvaterstube zu fehlen pflegten. Nur, daß die Einlagen über den reich geschnitzten Holzrändern aus Mosaikstückchen bestanden, die sich zu kleinen, wirkungsvollen Bildern einten. Das runde große Medaillon des Aufsatzes, das ein halbes Jahrhundert später, als Ersatz des zerschlagenen Mosaikbildes eingefügt war, zeigte ein Pastellbild. Ein namhafter Maler aus jener verzweifelten Zeit, in der Eva von Ostrieds Mutter auf den Gedanken gekommen war, einen Teil des Schlosses und des wundervollen Parkes erholungsbedürftigen Künstlern gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen, hatte es geschaffen.
Der Schloßherr warf mit einer geschickten Bewegung das Monokle in das kurzsichtige rechte Auge. Sein müder Blick belebte sich auffallend. Der tiefe Durchzieher, mit der einst auf dem Heidelburger Fechtboden erhaltenen blutroten Belehrung, daß auch nicht sonderlich hochgewachsene Leute eine gute Klinge führen können, begann zu glühen. Das Hochmütige in seinen Zügen verschwand.
Als er nach langem aufmerksamen Betrachten den Kopf hob und die Hände von der Schnitzerei nahm, war er ein ganz anderer wie zuvor. Es bedurfte also nur des Aufflammens einer leidenschaftlichen Neigung, um die oft genug abstoßend wirkende Tünche herunter zu bröckeln.
„Ich würde Ihnen zehntausend Mark geben, wenn Sie mir dies Stück überlassen könnten, Herr Amtsrat.“