„Bei ihres Vaters Begräbnis ist es gewesen. Hätte ich gefehlt, wäre sie ganz allein neben dem Seelsorger hinter dem Sarg, hergeschritten. Denn die Tagelöhner blieben aus Bescheidenheit eine halbe Meile zurück. Und von den Nachbarn oder seiner Familie war niemand dabei.“

„Die Anzeigen von seinem Tod müssen sich verspätet haben. Vielleicht sind überhaupt keine verschickt. Ich jedenfalls erhielt die Nachricht erst durch meine Berufung zu seinem Nachfolger.“

„Also doch rechtzeitig,“ meinte der Amtsrat bitter und sah nach der Uhr, die mit behaglichem Pendelschlag die kleine Pause belebte.

„Ich habe nur einer Leidenschaft im Leben bisher nachgegeben,“ begann er von neuem und diesmal leiser und weicher wie zuvor. „Ich verriet sie Ihnen bereits. Schon in frühster Jugend war die Vorliebe für alte, wirklich schöne Sachen so groß, daß ich mir jedes Vergnügen versagte, um mich endlich in den Besitz eines ersehnten Gegenstandes zu bringen.“

„Verrückt,“ mußte der alte Wullenweber denken, aber es söhnte ihn etwas mit diesem scheinbar kalten, wesenlosen Menschen aus.

„Vielleicht sprechen Sie persönlich mit Ihrer Base, wenn Sie zu dem hochwichtigen Familientage in Berlin sind,“ schlug er vor.

„Vorläufig geht es mir um dies Stück.“ Und er fuhr, wie liebkosend, über das edle, alte Holz.

Ehe noch der Amtsrat die scharfe Erwiderung, die ihm dies taktlose Festhalten auf die Lippen zwang, aussprechen konnte, fuhr er fort:

„Ich würde Ihnen sehr gern durch einen Berliner Sachverständigen das Pastellbild entfernen und in einen durchaus würdigen Rahmen bringen lassen. Derselbe könnte mir auch den Ersatz für das Mosaikrund besorgen. Ihnen ginge nach Ihren eigenen Worten durch die Hingabe des alten Stückes selbst nicht allzu viel verloren. Mir aber täten Sie einen großen Gefallen. Wollen Sie nicht wenigstens die Güte haben, sich meinen Vorschlag zu überlegen?“

„Eine Gegenfrage,“ sagte der Amtsrat und seine Stimme klang stahlhart. „Was würden Sie sagen, läge die Geschichte umgekehrt? Sie wollten aus einem für Sie wichtigen Grunde nicht und der andere – nun – der hörte eben nicht auf zu drängen. Sie würden mich aufrichtig verbinden, wenn ich das wissen dürfte, Herr von Ostried!“