„Ja, Herr Major, heute wird’s zehn Minuten später mit den frischen Kartoffeln. Der Waldesruher Herr war bei uns.“
„Wenn Sie „frische Kartoffeln“ sagen, klingt das noch großartiger als wenn seiner Zeit der Oberkellner in Esplanade meinetwegen „frische Austern“ lispelte,“ höhnte er poltrig und unzufrieden.
„Ich kenne bloß Dabersche und denn magnum bonum und die kleine blaue frühe, denn von der weißen halt’ ich nichts. Austern bauen wir hier gar nich.“
„Sie sind ein Kamel, Klidderten.“
„Denn müßt ich ja wohl in die Wüste, Herr Major. So ist mir das von meiner Jugend her erinnerlich. Und denn kriegten Sie alle überhaupt nichts warmes auf den Tisch.“
„Nun schweigen Sie endlich still. Wenn man schon nichts zu essen bekommt, muß man wenigstens einen ordentlichen Tropfen trinken. Nehmen Sie mal Vernunft an, Fräulein Kliddert. Eine einzige Flasche, Mamsellchen. Na los.“ Sie kam ein wenig näher. Aber doch nicht mehr, wie auf fünf Schritt Distanz. Dann ließ sie die angeborene Bescheidenheit halt machen.
„Begucken Sie sich bloß mal im Spiegel, Herr Major. Ist das nicht eine wahre Freude mit Ihnen? Sehen Sie vielleicht aus wie einer, der in die Sechzig will? Wirklich nicht. Von der dummen Krankheit, als Sie gerade angekommen waren, ist keine Spur mehr zu merken. „Klidderten,“ hat neulich der Waldesruher Gärtner zu mir gesagt, denn er kommt jeden Donnerstag aus alter Gewohnheit auf einen Schwatz in die Küche. „Was ist das für ein Kavalier mit dem feinen Spitzbart –“
„Hören Sie schon damit auf,“ murrte der Major, aber in seiner Eitelkeit freute er sich kindisch darüber.
Die alte Klidderten schielte nach der andern Seite des Hauses hin, von welcher ihr der Amtsrat zu Hilfe kommen sollte, denn die Blauschimmel waren schon angetrabt. Dann war für diesmal wieder alles ausgestanden. Vor dem Bruder schwieg der Herr Major davon!