Aber der Hohenklitziger Herr stand versonnen und sah dem davonrollenden Gefährt mit gefurchter Stirn nach.

Die Gedanken schossen ihm wild durch den Kopf.

„Wenn der das Mädel in Berlin kennen lernen sollte und sie gefällt ihm und er kriegt doch vielleicht nicht von seinem Agenten den ähnlichen alten Schreibtisch und er denkt dann so nebenbei dran, daß es vielleicht hübscher und angenehmer wäre, der jetzige Anwärter erbte das Majorat nicht, sondern sein eigenes Fleisch und Blut und sie sagt „ja“, denn wie sollte ein armes Ding wohl den Mut zu einem „nein“ finden.“

Aergerlich wandte er sich herum. Was ging ihn dies alles an? Hatte er sich die letzten Jahre überhaupt um das Mädel – die Eva – gekümmert? Trotzdem sie die Tochter der geliebten Frau war. Dumme Ausrede, daß er an die Erbschaft durch die Präsidentin und ihr gutes Auskommen felsenfest geglaubt hatte.

Ein Mann in seinen Jahren glaubt nur das, wovon er sich auch überzeugt halten darf. Erst der Junge, der Walter, mußte sie ausfindig machen, ehe er an sie dachte.

Gedankenlos war er weiter gegangen und stand nun vor der alten Klidderten, die ihm heftig zublinkte. Diese Sprache begriff er ausgezeichnet. Seitdem sich sein Bruder damals nach dem glücklich überstandenen Schlaganfall zum Hierbleiben entschlossen hatte, stand sie ihm auch hierin getreulich zur Seite. Es kamen immer wieder Tage, in denen der Major ein unbändiges Verlangen nach den Dingen trug, durch die er sich bis jetzt seine Vergnügungen verschaffte. In dieser Abgeschlossenheit wäre ihm höchstens ein guter, alter Tropfen aus dem Keller mit der lebensgefährlichen Treppe erreichbar gewesen. Er selbst war aber nicht imstande, die schwindelnde Stiege hinabzuklimmen und die alte blödsinnige Gans, wie er sie soeben bei sich nannte, tat ihm nicht den heimlichen Gefallen.

Da sprach ihn der Amtsrat an: „Du hattest heute früh einen Brief von Walter, nicht wahr?“

Der Major brummte eine Erwiderung die unverständlich blieb.

„Sonderbar,“ wunderte sich der Amtsrat, „weil er doch gerade erst gestern an mich geschrieben hatte.“

„Wieso sonderbar? Kann er nicht auch mal ausnahmsweise was mit seinem Vater zu bereden haben?“