Mit verständnisvollem Lächeln verschwand sie hinter der schweren Küchentür. – Der Amtsrat trank kaum ein halbes Glas von dem goldklaren, alten, schweren Sorgenbrecher. Daß er ihm Bescheid tun sollte, verlangte der Major auch gar nicht. Er selbst sog mit geschlossenen Augen in kleinen, schmatzenden Zügen.

In der Mitte des Tisches dampften die frischen Kartoffeln mit einer reichlichen Beigabe grüner Petersilie. Neben jedem der beiden Gedecke duftete eine kräftige Scheibe Bratspeck. Dazu stand – wie gewöhnlich – ein Topf mit köstlicher Buttermilch bereit. Der alte Offizier wurde wieder jung, leichtsinnig und prahlerisch.

„Als ich bei den Kürassieren in Dernburg stand, kriegte ich von zarter Hand ganze Körbe voll Champus. Bedankt habe ich mich nie. Bei wem denn? Man ahnte natürlich. Das Nest war ja klein. Aber die Eifersucht unter der edlen Weiblichkeit war zu groß geworden. So war’s schlauer, ich stellte mich unwissend.“

Der junge Kürassierleutnant hatte sich dann in die Infanterie stecken lassen müssen. Wegen Schulden natürlich.

„Zuerst dachte ich mir das gräßlich. Hatte Selbstmordgedanken. Schließlich machte sich’s ganz nett. Mädelchen waren da noch viel aufmerksamer und verliebter.“

Als Hauptmann der Infanterie kam er auf der Treibjagd zu dem, was er sein Unglück nannte.

„Alles vorbei. Es war zum Rasendwerden. Man war niemand mehr.“ Seine Ehe hatte er vergessen. Sie war ja auch nur kurz gewesen. – In der Flasche schimmerte der Boden mit dem Rest des Goldenen. –

„Doch – die Kinder! Vater spielen will gelernt sein. Mir lag’s nicht. Der Junge war mir zuweilen direkt peinlich mit seiner unbequemen Art zu gucken und Fragen zu stellen. Aber – das Mädchen.“

Der letzte Tropfen hing schwer an seinem grauen Bart, den der Haarkünstler nun nicht mehr ausbesserte. Ihn stieß das Elend.

„Daß du’s weißt, ich bleibe nicht länger hier. Morgen früh geht’s weg. Kannst du mir das verdenken? Zwei reichliche Jahre immer bloß Buttermilch und die Faltenschnute von deiner Klidderten. Daß man das überhaupt geschafft hat. Nie raus aus der Bude. Immer hinter den Rechenbüchern und dabei noch das Gefühl, als mache der erste beste Quartaner die Geschichte besser. – Jetzt geht in Berlin nach dem toten Sommer das Leben wieder los. Auf der Tauentzienstraße, weißt du! Mädelchen gibt’s da. Einfach süß. Wenn ich im Wagen oder wo am Fenster sitze, mache ich immer noch eine gute Figur. Und die kleine Weinstube beim Anstermeier. Piekfein. Und anständig. Niemals mahnen die. Bloß einmal im Jahre, wenn’s einem natürlich am wenigsten paßt, erinnern sie bescheiden. – Uebermorgen kann ich schon drin sitzen. Gleich nachher will ich dem Jungen telegraphieren. Du läßt’s zur Post besorgen. Das werd’ ich ja wohl noch verlangen können.“