Der Amtsrat hatte zugehört, ohne einmal den Schwall der Worte zu hemmen.

„Du wolltest mir Walter’s Brief geben,“ sagte er nur, als der Major endlich verstummt war.

„Den Brief? Richtig. Hier ist er!“

„Ich werde ihn dir noch einmal vorlesen.“

„Nicht nötig. Habe mich bereits selbst genügend von seinem Inhalt unterrichtet.“

Der Amtsrat bedachte den Einwand nicht. Er wußte, daß die Erinnerung an das gegebene Wort auftauchen und zurückreißen würde. Halblaut begann er:

„Lieber Vater! Soeben habe ich die letzte Rate deiner Schulden getilgt. Es ließ sich also, wider Erwarten, schnell erledigen. Justizrat Weißgerber zahlte mir, als auch in letzter Instanz der Millionenprozeß, von dem ich das letzte mal erzählte, zu unsern Gunsten entschieden wurde, zwei Drittel des in diesem Falle von unserem Klienten versprochenen Extrahonorars aus, weil ich die ganze Mühe damit gehabt.

Freilich bin ich zur Zeit selbst völlig blank. Ich habe mein halbes Vierteljahrsgehalt noch dazu gelegt, um endlich frei zu sein. Nun mache ich dir einen Vorschlag. Willst Du durchaus wieder nach Berlin, sollst Du wissen, das Du mir willkommen bist. Es kann jetzt in jeder Beziehung besser, wie früher, für Dich gesorgt werden. Nur mußt Du mit Deiner Reise bis zum nächsten Quartal warten, damit ich Dir genügend Geld schicken kann. Hast Du noch selbst von Deiner Pension zur Verfügung, teile mir das mit. In diesem Falle stände Deiner früheren Rückkehr, wenn sie Dir wünschenswert erscheinen sollte, nichts mehr im Wege.

Dein Sohn Walter.“

Ohne eine Bemerkung reichte der alte Wullenweber das Schreiben zurück. Seine Augen brannten wie nach einem Erntetag mit heftigem Ostwind bei reichlicher Sonne. Schweigend steckte auch der Major den Brief in die Tasche. Geflissentlich sahen sie aneinander vorbei.