„Sie sollen das doch nicht sagen, Herr Rechtsanwalt! Natürlich war ich oben. Und geklingelt hab’ ich auch. Mir hat aber Keiner aufgemacht.“
„Die Herrschaft wird ausgeflogen gewesen sein. Der Tag war ganz dazu gemacht.“
„Nein, zu Haus waren sie ganz gewiß.“
„Ihr Fräulein würde doch die alte Pauline, deren Liebling sie immer noch ist, nicht so schlecht behandeln! Sie werden sich geirrt haben,“ widersprach er.
„Ich konnte es auch lange nicht fassen. Aber es war doch wohl so. Ehe ich ihr ins Haus ging, habe ich mir nebenan die kleinen, netten Gärten auf dem Bauland besehen. Vor dem Fenster an der Ecke stand Eine und guckte gerade auf mich runter. Ich kann beschwören, daß das unser Fräulein gewesen ist.“
„Sie haben sich eben versehen, beste Pauline. Ihre Augen haben sechzig Jahre gedient. Da müssen Sie nicht mehr zu viel von ihnen verlangen.“
„Sie war’s bestimmt, Herr Rechtsanwalt. Ich hab’ raufgewinkt und sie hat in der ersten Ueberraschung auch die Hand gehoben. Aber bloß ganz matt. Nachher war sie gleich weg. Dann bin ich nach oben. Wohl zehnmal hab’ ich geklingelt. Gerade wollte ich wieder gehen, da schob eins so recht heimlich von innen die Platte vom Guckloch weg. Das Fräulein war’s aber nicht. Vielleicht die Andere.“
„Deren Aufenthalt bei Fräulein von Ostried die Person damals mißbilligte?“
„So denke ich’s mir!“