Sie stießen miteinander an. Ihre Lippen röteten sich.

„Jetzt mußt du auch tüchtig essen,“ forderte er und häufte ihr den Teller. Das hatte er noch nie getan. Es erfüllte sie mit heißer Dankbarkeit. Gehorsam begann sie. Aber es ging nicht.

„Ich bin immer noch zu durstig,“ gestand sie mit einem verlegnen Seufzen. „Gib mir noch etwas. Merkst du nicht, wie es mich erfrischt?“

„Habe ich mich denn verhört, daß dir die vereinigte Macht der Aerzte alle Flüssigkeitsaufnahme streng beschränkte,“ fragte er gedankenlos und vergaß, daß er es bereits vorher, als feststehend, erwähnt hatte. „Gewiß, ich irre mich. Denn du bist doch sonst verständig und folgsam wie eine kleine Musterschülerin.“

„Das hast du entschieden geträumt, Paulchen. Vor ein paar Wochen, ja, da hat die ärztliche Obrigkeit etwas Aehnliches gesagt. Das Verbot hat längst ausgewirkt. Heute ist es also mein gutes Recht.“ Warm und wohlig durchrieselte sie das edle, berauschende Getränk. Auch er begann sich behaglich zu fühlen. Im Allgemeinen war’s doch recht hübsch, daß er es so weit gebracht hatte. Einige Unbequemlichkeiten gab es freilich zu überwinden. Die scharf äugende Schwiegermama – der Detektiv von Diener und zuweilen sogar die kleine, verliebte Frau. Denn sie war rechtschaffen wie ein Backfisch in ihn verliebt, trotz ihres großartigen Protestes. Zu einem richtig flammenden machtvollen Gefühl reichte ihr bißchen Kraft nicht aus.

Sie merkte, daß er fröhlich wurde. Das spannte ihre Kräfte an und ließ sie nichts denken, als daß er voll glücklich sein möge. Die leise, geschickte Jungfer bediente heute bei Tisch. Daß der Alte bei den sterbenden Malven stand und scharf ins Zimmer hereinspähte, konnten sie nicht ahnen, denn sie waren beide mit sich und den prickelnden Tropfen zu sehr beschäftigt.

Paul Karlsen blieb auch bei ihr, als das kleine Mahl beendet war.

„Jetzt mußt du deine Havanna rauchen,“ drängte sie liebevoll.