„Ich bin Eva von Ostried, die Tochter des im Jahre 1913 auf Waldesruh verstorbenen Majoratsherrn Weddo. Hier ist meine Einladung!“

Er warf einen flüchtigen Blick darauf.

„Danach steht Ihnen natürlich die Teilnahme an dieser Sitzung frei. Ich darf Sie vorstellen.“

Und er nannte ihren Namen, ohne ihr die der Anwesenden bekannt zu geben. Eva von Ostried fühlte, wie ihr das Blut heiß ins Gesicht schoß.

Sie hatte keinen freundlichen Empfang erwartet. Diese Strenge und Formlosigkeit empfand sie aber als Beleidigung. Vielleicht hätte sie stolz genug sein müssen, um jetzt zu gehen, aber sie lächelte nur – und blieb!

„Wohin darf ich mich setzen?“ fragte sie ruhig und hell.

Da stand Jemand auf und näherte sich ihr. Er war breitschultrig und sonnverbrannt und seine Augen blickten unter den eisgrauen Brauen noch jünglingsklar.

„Zu mir,“ sagte er kurz und herzlich. „Ich bin der Kummersbacher. Ob dir das irgend etwas besagt, ahne ich nicht. Ich nenne dich du. Du erlaubst doch?“ Und er bot ihr ritterlich den Arm und führte sie an seinen Platz. „So, hier setz’ dich einstweilen. Bitte, Vetter Horst Waldemar, etwas nach links, damit mein Hermann noch einen Schemel reinklemmen kann“.

So saß Eva von Ostried denn neben dem, der auf Lebenszeit im Herrenhaus Nachfolger ihres Vaters war. Eine peinliche Pause entstand. Wieder durchbrach die Stimme des Kummersbachers die Schwüle.

„Ich will dir besser alle Anwesenden nennen, liebe Base.“