„Das Geld – ganz recht. – Das war eine böse Geschichte. Denn mein mütterliches Erbteil betrug nur tausend Mark. Ich hätte aber sehr bald vielleicht das Zwanzigfache verdienen können, wenn nicht das Blut meiner Mutter in mir wach geworden wäre. Ich konnte mich nun doch nicht für die Bühne zur Laufbahn entschließen. Die Gründe dafür nenne ich hier nicht. Sie würden doch kein Verständnis oder keinen Glauben finden. Der Tropfen Ostriedsches Blut – das Erbe meines Vaters also – war nicht dagegen. Zur Zeit verdiene ich meinen Lebensunterhalt durch Unterricht und Konzerte. So werde ich im nächsten Monat zweimal in München, am neunten November einmal im Blüthnersaal, hier, singen. In der Hauptsache ernähren mich die Stunden, die ich begabten Schülern erteile. Meine Wohnung befindet sich in Charlottenburg, Königsweg 24. Ich hatte nicht nötig, dies alles zu sagen. Wie schon erwähnt, stehe ich aber ganz allein für mich ein und bin daher dem niederen Klatsch schutzlos ausgesetzt. Das Andenken an meine Mutter verbietet mir, mich verdächtigen zu lassen.“ Sie neigte sich leicht und machte Miene zu gehen.

Da stand der Generalleutnant, Exzellenz, langsam auf, kam um den Tisch herum auf sie zu und hielt die Hand hin.

„Wir Männer haben zu wenig Zeit und auch zu wenig Begabung, um die Richtigkeit gehässiger Berichte nachzuprüfen,“ sagte er nicht unfreundlich. „Darum tut es mir persönlich leid, wenn Sie sich durch unsere bisherige Zurückhaltung verletzt gefühlt haben sollten.“

Einen Augenblick legte sie ihre Rechte in die seine.

„Glauben Sie jetzt aber ja nicht, Exzellenz, daß ich mich in Ihren Kreis drängen möchte.“

Er sah erstaunt auf. Gradwegs in ihre wundervollen, klaren Augen. Einen Augenblick drohte ihn die weltmännische Sicherheit zu verlassen.

„Und warum nicht,“ fragte er erstaunt.

„Weil ich keine Zeit dazu fände und auch nicht ehrgeizig bin, Exzellenz. Sonst stände ich ja wohl heute als Mitglied einer Bühne vor Ihnen.“

Die andern Herren hatten sich gleichfalls erhoben und sahen etwas verlegen auf den Generalleutnant. Sie tat, als merke sie nichts von dem Erwägen, das aus allen Gesichtern sprach.

„Ich muß nun fort, Exzellenz.“