Der Waldesruher reckte nur den Arm weit aus und reichte es ihm hin.

„Famos. Immer wieder unterschätze ich deine Körperlänge. – So bitte, Herr Rechtsanwalt, wollen Sie gefälligst Einsicht nehmen, was gewünscht und erstrebt wird. Vor allen Dingen muß das lächerliche Befragen des gesamten Familienrats, wenn zum Beispiel in der Familiengruft eine neue Trauerweide vom Obergärtner gesetzt oder ein Grabmal aufgefärbt wird, eingestellt werden. Künftig soll ein aus zwei oder drei Leuten bestehender Ausschuß darin maßgebend sein. Andere Punkte freilich sind bedeutender. Unsere, das heißt, meines Vetters und meine Ansicht erfahren Sie nebenstehend.“

Walter Wullenweber las aufmerksam.

„Die vorgeschlagenen Abänderungen sind bei weitem einfacher und zweckdienlicher,“ unterbrach er einmal das Schweigen; „nur fehlt die rechtswirksame Form, wie z. B. hier bei einer hypothekarischen Sicherheit für einen der Ostrieds gerader Linie. Das ist aber eine Kleinigkeit.“

Dann vertiefte er sich wiederum, bis ihm das Rot einer heimlichen Erregung über das stubenblasse Gesicht lief. Er sah den Waldesruher Majoratsherrn prüfend an und in diesem Blick lag entschieden etwas Feindliches.

„Sind Sie damit einverstanden, Herr von Ostried, daß der eventuelle älteste Enkel Ihres verstorbenen Herrn Vorgängers nach Ihnen – also vor dem bisherigen Anwärter – als Waldesruher Majoratsherr in Frage käme? Absatz 3 der mir zugänglich gemachten Bestimmungen verlangt ausdrücklich bei einer Abänderung in erster Linie die Bereitwilligkeitserklärung des derzeitigen Majoratsinhabers. Darum meine Frage. Auch darf ich nicht verhehlen, daß die Vorlage dieser neuen Erbfolge bei auch nur einer widerstrebenden Stimme glatt erledigt ist.“

Horst Waldemar von Ostried blickte eine Kleinigkeit gelangweilt drein.

„Ihre erste Frage ist schnell beantwortet, Herr Rechtsanwalt. Warum sollte ich dagegen sein? Bis jetzt lebe ich als kinderloser Witwer. Sollte ich eine neue Heirat schließen.“

Die Exzellenz sah überrascht auf und knurrte etwas. „Na nu – das ist mir ganz neu.“