Der Kummersbacher freute sich aufrichtig für Eva von Ostried. Nicht, daß er schon ihren ältesten Sohn unter den Waldesruher Buchen hätte herumgaloppieren sehen, nein, daran glaubte er nicht! Er gönnte ihr nur von Herzen jene Ehrenerklärung, die in der Annahme der neuen Bestimmung lag. Scharf spähte sein Blick zu Horst Waldemar hin. Sollte es bei diesem angegrauten Eiszapfen etwa denkbar sein, daß er sich in die jene, lockende Schönheit vergafft habe?

Der Vortragende Rat, Exzellenz, und seine Zwillingstöchter waren mehr verwundert wie empört. Was ging es sie schließlich an, wer die Waldesruher Herrlichkeiten genoß? Ihnen blieben sie jedenfalls fern.

Fassungslos machte die Mitteilung lediglich die Eltern des Regierungsassessors, die bleich und stumm nach Atem rangen.

Der Anwärter selbst hatte nur eine Sekunde die Farbe verloren. Dann war sein Plan gefaßt. Noch ehe Eva von Ostried das Geringste von all diesem erfuhr, also sogleich nach Schluß der Komödie, würde er ihr schreiben. Das verstand er ausgezeichnet. Sie sollte seine Rechtfertigung schon annehmen und ihm, wenn er sich mündlich ihre Verzeihung holte, eine andere Behandlung gewähren, als vorher zwischen den sommermüden alten Linden!

Lodernden Zorn, der ihr häßliches Gesicht noch abstoßender erscheinen ließ, empfand einzig das ältere Stiftsfräulein, während ihre um zehn Jahr jüngere, als unbegabt geltende Schwester Klausine leise zu weinen begann. Sie hatte sich schon zu lange auf die Sommerfrische in Waldesruh unter Ingeborgs Fürsorge gefreut. Dieser Traum von Stille, endlichem Frieden und unbeschnitten reichlichen Gerichten würde durch den Sohn jener Unausstehlichen natürlich zu Schanden werden!

Hermine von Ostried wartete auf das letzte Wort des Generalleutnants. Kaum war es gesprochen, schrillte ihre hohe, jetzt von Verachtung und Zorn gellende Stimme.

„Es ist ein Scherz und nichts weiter, den du dir soeben mit uns erlaubt hast, lieber Jeschko. Ich für meine Person lasse mir solche Sachen nicht gefallen, mögen auch die andern töricht genug sein, sich dadurch verblüffen zu lassen. Ich frage dich, was du damit bezweckst?“

Aber sie ließ ihm nicht etwa Zeit die Frage zu beantworten. Sein lächelndes Gesicht, das sich nunmehr zu verklären begann, reizte sie unaussprechlich. „Schamlos genug, daß Euch Männern diese Bettelprinzeß die Köpfe verdreht hat.“

Da fuhr mit gewaltigem Schlag eine Faust auf die Tafel nieder. Das war die Sprache des Kummersbacher.