Sie ging mit wutverzerrtem Gesicht. „Gestehen Sie es nur, Sie sind auch einer von denen, der in ihren Netzen zappelt,“ zischelte sie, schon auf der Schwelle stehend. –
Er war wieder allein und riß die Fenster weit auf, als schwebe in diesem Raum ein Pestgeruch wahnwitziger Verdächtigung, der ihm Uebelkeit erregte. Dann hieb es wie mit Hammerschlägen auf ihn ein. „Er war auch einer...“
Stimmte das nicht? Kam er von ihr los? Er fühlte, daß er an dieser Sehnsucht und Ungewißheit langsam zu Grunde gehen müsse!
An diesem Abend kam er erst gegen neun Uhr nach Hause. Die alte Pauline war seinetwegen in Sorge. Sie wußte sich sein schon seit Wochen verändertes Wesen nicht anders zu deuten, als daß er sich krank fühle. Während er sonst beim Auftragen der Speisen gern einen Scherz machte, saß er jetzt gedankenlos am Tisch und genoß hastig und unfreudig, was sie ihm vorsetzte. Heute wartete der sorgfältig zubereitete Imbiß längst auf ihn.
„Es gibt ein Gläschen Glühwein, Herr Rechtsanwalt,“ sagte sie verheißungsvoll, „haben Sie das nicht gerochen? Die Luft geht scharf und Sie sehen immer aus, als ob Sie nie richtig warm werden könnten.“
Er nickte ihr zu, während er die Aktentasche abwarf.
„Sie hätten Mediziner werden sollen, gute Pauline. Ihre Diagnose stimmt aufs Haar.“
„Sie haben also wirklich gefroren und sagen mir keine Silbe davon,“ meinte sie vorwurfsvoll. „Wie gern hätte ich ein paar Kohlen in den Ofen gelegt.“
„Der Glühwein wird auch helfen. Bringen Sie ihn nur möglichst schnell.“