„Ich war in Fräulein von Ostrieds kleinem, entzückenden Heim,“ begann der Dichter endlich. „Ich weiß nicht, ob Sie ihre Adresse kennen.“
„Doch,“ meinte Walter Wullenweber mit mühsamer Beherrschung, „als der Anwalt der Ostrieds...“
„Richtig. Wir hatten es an jenem großen Familientage ausgemacht, daß ich sie zuweilen an Sonn- oder Feiertagen besuchen dürfe.“
„Aber heute ist doch kein Feiertag,“ warf Walter Wullenweber mechanisch ein.
„Nicht im gewöhnlichen Sinne! Für mich bestand er, obwohl sie selbst leider nicht zu Hause war.“
„Fräulein von Ostried ist... abwesend?“
„Seit vier Tagen weilt sie in München, um dort in zwei Konzerten zu singen.“
Walter Wullenweber seufzte tief auf. Wie hatte er das nur vergessen können?! Durch seine Verhandlungen mit Herrn Alois Sendelhuber kannte er die Daten genau.
„Hier habe ich übrigens eine glänzende Rezension aus den Münchener Neuesten Nachrichten über das erste Konzert,“ plauderte der Dichter und suchte einen Ausschnitt aus der Brieftasche. „Leider ist es zum Lesen zu dunkel. Der Inhalt bringt eine schrankenlose Anerkennung ihres herrlichen Stimmaterials bei vornehmster und edelster Vortragsweise. Sie wird sicher dies alles ebenso interessieren wie mich, denn, nicht wahr, auch Sie glauben bedingungslos an ihre Reinheit?“