„Ich will es versuchen!“

Nun ging er allein weiter. Die Sterne waren schon wieder verschwunden und der schmale Mond blinkte nur noch wie ein gelber Faden, der zwei dicke, graue, unruhige Wolken zusammen zu nähen versuchte. Ihm war heiß, jung und sehnsüchtig zu Mute!

21.

Der geräumige, vornehm ausgestattete Blüthnersaal schien bereits eine halbe Stunde vor Beginn des heutigen Konzerts gefüllt. Aber mit dem Glockenschlage strömte nochmals ein neuer Menschenstrom herein, staute sich einen Augenblick und verteilte sich dann nach allen Seiten hin. Wie das Rauschen einer Unruhe lief’s durch den Saal, dann schlossen sich die Türen und es wurde ganz still.

Das Künstlertrio begann mit dem tatrischen Tondrama von Tschaikowski. Vielleicht beherrschte der wundervoll reine Klang des Cello ein wenig zu sehr die Melodie, die von der Geige hätte geführt werden müssen. Aber das war nur für die ersten Minuten der Fall. Dann bot das Zusammenspiel einen künstlerischen Genuß von höchster Vollendung und die gewaltige Dramatik des ersten Satzes löste eine beifallslose Ergriffenheit aus.

Nach der ersten Pause kam von einer der Türen Horst Waldemar von Ostried und ging suchend – die Platzkarte in der Hand – die vollbesetzten Reihen auf und ab. Er wußte genau, daß er irgendwo unter einem Pfeiler einen Eckplatz hatte.

Als er endlich die kleine Dame im Schwabinger Künstlerkleidchen und die dazu gehörenden braunen Haarschnecken vertrieben hatte, war es gerade der Augenblick, daß Evas stolze, schlanke Erscheinung in dem sehr schlicht gehaltenen Gewand aus weißer, fließender Seide auf dem Podium erschien.