„Hast du jemals etwas so Märchenhaftes gesehen?“ flüsterte hinter seinem Rücken ein begeistertes junges Wesen ihrem älteren, würdigen Nachbar, der offenbar ihr Vater war, zu.
Horst Waldemar lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit ihrer Antwort.
„Ausnahmsweise spielst du dich als echter Kindskopf auf,“ tadelte die tiefe Stimme. „Befreie dich gefälligst von ihren äußeren Reizen, sonst kannst du unmöglich das genügende Verständnis für sie als Sängerin aufbringen. Und du weißt, daß sie das verdient.“
„Ich empfinde dich als einen merkwürdig gnädigen Kritiker, so bald es sich um sie handelt, Papa.“
„Merkst du nicht, daß sie uns alle durch ihr Talent dazu zwingt, Kind? Dies alles ist nur der Anfang. Eines Tages wird man in der musikalischen Welt nur von ihr sprechen. Dann wird sie ungeheure Honorare bestimmen und erhalten. Man wird sich einfach zerreißen, um sie festzumachen. Das habe ich bereits vor einem Jahre gewußt. Und niemals begriffen, daß sie sich mit dem bescheidenen Lose einer Konzertsängerin begnügt.“
„Sie wird sehr bald einen Prinzen oder einen Doppelmillionär heiraten, Papa, und dann darf sie nur für den Einen singen.“
Er lachte leise.
„Beide mögen sich finden lassen! Ob sie aber mag?“
„Ich glaube, ich könnte nicht widerstehen.“