„Diesen Glauben teile ich. Du bist leider im Alltag das nüchternste Geschöpf unter der Sonne, wenn es irgendwie Stellung, Vorteil oder Glanz zu erkaufen gibt.“
Es klang bitter.
„Ich muß doch, seitdem Mama tot ist, sparen. Für uns Beide,“ sagte sie, als schäme sie sich ein wenig für ihren alten Vater, der das wirtschaftliche Einmaleins so schlecht beherrschte.
Er seufzte verzweifelt auf. „Ach, diese ewigen Geldnöte, Trude.“
Da jauchzte der erste Ton durch die andächtige Stille und löschte die Nöte des Lebens aus. Schuberts tiefergreifende ewig schöne Weihelieder erbrausten. Das Lied vom „Abendrot“ umspann die Hörer mit seinem weichen, sehnsüchtigen Ewigkeitszauber.
Den fünf Handschriftliedern war ihre Stimme und die Begleitung voll angepaßt und jubelnde Stürme echter Begeisterung lösten sie aus. Eva von Ostried stand, als ginge sie die Raserei der Menge nichts an, und trat schließlich, mit einer Handbewegung auf den Komponisten deutend, bescheiden zurück. Er mußte an ihre Seite kommen. Die beiden hochgewachsenen Menschen reichten sich einen Augenblick fest die Hände.
In diesem Augenblick erhob sich Horst Waldemar von Ostried so leise, wie es seine mächtige Figur zuließ und tastete sich nach der Tür. Ihre Mitwirkung war nach der gedruckten musikalischen Beitragsfolge hiermit zu Ende. Noch einmal sah er zu ihr hinüber. Sie hatte die Hände wieder frei und leicht zusammengelegt. Sein Blick war gefesselt. Gewaltsam riß er ihn los. Noch ehe ihm das voll gelungen, hatte sie ihn bemerkt. Eine Sekunde begegneten sich ihre Blicke. In der nächsten wandte sie den Kopf zur Seite.
Ihm flog etwas durch den Sinn. Zusammenhanglos, wie er meinte und töricht genug. Die Worte, die vorher der alte Kritiker über den Prinzen gesagt hatte – „Ob sie aber mag?“ Dann reckte er sich noch höher auf und verließ in dem Augenblick den Saal, als die unaufhörlich Klatschenden sich glücklich eine Zugabe erbettelt hatten. Es war das kleine Lied des unbekannten Komponisten, daß sie damals in München gesungen:
Ich hatt’ eine weiße Rose
Auf meinem Blumenbrett...