Eva hatte sich dem nicht endenden Beifall entzogen und war auf der Hintertreppe ins Freie gelangt, denn der Anblick des Einen, der sich plötzlich weit vorgebeugt und unverwandt zu ihr herab gestarrt, hatte ihr die Fassung und alle Freude an dem schönen, großen Erfolg geraubt.

Nun sah sie nur ihn, fürchtete ihm irgendwo zu begegnen und stellte doch in dem nächsten Augenblick mit bitterer Angst fest, daß er zu stark und zu stolz sei, um nach dem Geschehenen auch nur einen solchen Versuch zu machen. Die herzliche Einladung des Trios zu einem gemütlichen Beisammensein nach dem Konzert hatte sie, unter irgend einem törichten Vorwand, abgelehnt. Wie eine Diebin schlich sie sich fort. Der Schwarm der Hörer hatte sich verlaufen. In der Beförderung der elektrischen Bahnen mußte vorübergehend eine Stockung eingetreten sein. Es war alles still und tot um sie her.

Plötzlich stand er neben ihr und ging an ihrer Seite weiter. Walter Wullenweber hätte dies noch vor Stunden für unmöglich gehalten. Er wollte nichts, als sie wiedersehen, und danach alles überlegen! Nun zwang ihn etwas zu ihr.

„Woher kennen Sie das kleine Lied?“

„Das Lied? Welches Lied?“ fragte sie.

„Mein Lied.“

„Das von der weißen Rose? – Es ist das Ihre?“

„Ja, ich habe es vertont. Der Text ist von meiner armen, kleinen Schwester.“

„Ich fand es vergessen in einer kleinen Konditorei und nahm es mit mir. Seitdem habe ich es oft gesungen.“